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Volkskorrespondenten Version 1.0 Sigrun Richter
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From DDR-Presse: Beitraege und Materialien

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Hauptfoto: File:Volkskorrespondenten-Lehrgang Ratskeller Leipzig 1952.jpg
Volkskorrespondenten-Lehrgang 1952 im Ratskeller Leipzig. Foto: Rössing.
Die Volkskorrespondenten im Pressesystem der DDR
von: Sigrun Richter veröffentlicht: 09.06.2011
Die Medien im Sozialismus sollten im Sinne der marxistisch-leninistischen Theorie und der SED-Ideologie nicht nur für die „Massen", sondern auch mit und von den „Massen" gestaltet werden. Diese Form der Mitwirkung wurde in der offiziellen Propaganda als Ausdruck der sozialistischen Demokratie und der von der Staatspartei behaupteten Pressefreiheit in der DDR verstanden. Die Volkskorrespondenten (VK) waren Ausdruck dieser Ideologie und gleichzeitig Instrument zur Erkundung der Stimmungen und Meinungen in der Bevölkerung. Da die Volkskorrespondenten-Bewegung an die sozialistischen Parteimedien gebunden war, ist sie somit als Teil des geschlossenen Mediensystems der DDR zu verstehen. Ihr wurden in den unterschiedlichen Entwicklungsphasen der DDR verschiedene Bedeutungen zugewiesen. Die Bezeichnung „Volkskorrespondenten" bezog sich auf Werktätige aus Industrie und Landwirtschaft, aus Institutionen und Organisationen, die von den Kreis- und Bezirkszeitungen der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) als ehrenamtliche Mitarbeiter gewonnen und eingesetzt wurden. Ferner gab es freischaffende Korrespondenten, die für Betriebszeitungen[1] und sogenannte Funkkorrespondenten (FK)[2], die für den Hörfunk tätig waren. Vor allem bis Ende der 1940er-Jahre waren Ehrenamtliche als Bauernkorrespondenten (BK) unterwegs. Anfang der 1950er-Jahre finden sich Zeitungsbeiträge, die mit Arbeiterkorrespondent (AK) und gegen Ende des Jahrzehnts bis Anfang der 1960er-Jahre mit Dorfzeitungskorrespondent (DzK) gekennzeichnet waren. Zudem gab es spezielle ehrenamtliche Mitarbeiter wie Jugendkorrespondenten (JK), Fotokorrespondenten (FoK) oder Parteikorrespondenten (PK). Die Bezeichnungen sind zum Teil verwirrend, wurden nebeneinander benutzt und ersetzten bisweilen nur den Begriff des Volkskorrespondenten, ohne etwas anderes damit benennen zu wollen.

Die meisten ehrenamtlichen Korrespondenten waren politisch loyale journalistische Mitarbeiter und Multiplikatoren der SED-Propaganda, die durch ihre journalistische Tätigkeit den politisch gesteuerten Meinungsbildungsprozess unterstützten. So wurde ihnen eine vorbildhafte Funktion für das angestrebte Konzept der „Massenverbindung" zugesprochen, das den allgemeinen Anspruch formulierte, die Werktätigen hätten an der Gestaltung der Medien mitzuwirken.[3] Bei der geplanten Entwicklung der SED-Presse zu einer „Massenpresse" hatte die Festigung der „Massenverbundenheit" des Journalismus und damit auch die Forcierung der Volkskorrespondenten-Bewegung eine zentrale Bedeutung. Die meisten Volkskorrespondenten verstanden ihre ehrenamtliche Arbeit als gesellschaftlichen Auftrag, der neben dem Beruf für die SED zu leisten sei. In der Praxis bestand ihre wesentliche Aufgabe darin, über Ereignisse aus ihrem privaten und beruflichen Umfeld zu berichten sowie kleinere Meldungen und Beiträge zu schreiben. Mit dem Zusammenbruch der DDR, 1989, verschwanden die Volkskorrespondenten in der Bedeutungslosigkeit.

Die wichtigsten Entwicklungsphasen der Volkskorrespondenten-Bewegung

In Bezug auf die Geschichte der Massenmedien in der DDR können fünf Entwicklungsphasen für die Volkskorrespondenten-Bewegung benannt werden. Die Übergänge zwischen den genannten Phasen verlaufen fließend und können einander überschneiden.

Die erste Etappe reicht von 1945 bis 1949. Die Gründung der SED im April 1946 bedeutete eine erste Zäsur für das journalistische System in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ). Die Medien wurden nunmehr zu Instrumenten der Proklamierung offizieller Normen und Werte, die von der Einheitspartei vorgegeben wurden. Die Entwicklung der Presse zu einer „Presse neuen Typs" im Sinne der SED beinhaltete, dass die Medien nach den Prinzipien Lenins organisiert sein mussten.[4] Der Journalismus hatte in dieser Zeit die Aufgabe, die „Massen" für den Aufbau in der SBZ zu mobilisieren und sie mit dem kommunistischen Gedankengut vertraut zu machen.[5] Die sowjetische Arbeiter- und Bauernkorrespondenten-Bewegung hatte für den Aufbau und für die Entwicklung der Volkskorrespondenten-Bewegung der DDR eine historische Vorbildfunktion.[6] Allerdings beriefen sich DDR-Publizisten in den späten 1970er- und frühen 1980er-Jahren auf die Erfahrungen der KPD in der Weimarer Republik in Bezug auf die Arbeit mit ehrenamtlichen Korrespondenten.[7]

Bis zur Gründung der DDR im Oktober 1949 hatten sich die neuen Strukturen der Presselandschaft in der SBZ zum größten Teil gefestigt. Bereits 1948 begannen einzelne Parteizeitungen, ein Netz von freien Schreibern aufzubauen und die ersten VK-Tagungen, -Konferenzen und -Schulungen zu organisieren. Durch die wachsende Zahl der ehrenamtlichen Korrespondenten wurde auch deren „Anleitung" und Betreuung durch die zuständigen Redaktionen ausgebaut. Vor allem in den ersten Jahren bis zur Gründung der DDR lieferten die Volkskorrespondenten nicht nur Informationen, sondern gaben auch Meinungen aus der Bevölkerung über den Weg der Redaktionen an die Parteifunktionäre weiter. Nach Gründung der DDR war die Bewegung zu einem festen Bestandteil des Pressesystems geworden.

Die zweite bedeutende Phase endet mit dem Bau der Mauer 1961. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte sich nicht nur das politische System der DDR gefestigt, sondern auch das sozialistische Mediensystem. Durch die Gründung der Bezirkszeitungen und Regionalsender differenzierte es sich noch weiter. Für die Etablierung des journalistischen Systems der DDR waren die ersten beiden Pressekonferenzen des Parteivorstands und des ZK der SED wegweisend.[8] Die erste Pressekonferenz, im Jahr 1950, umriss auch die Rolle der Volkskorrespondenten und stellte Richtlinien für ihre Arbeit auf.[9] Bis zur zweiten Pressekonferenz 1951 wurde versucht, kurzfristig die statistische Bilanz zu verbessern und eine größere Anzahl von Texten der Volkskorrespondenten zu veröffentlichen. Die Beschlüsse und Forderungen aus der ersten Konferenz wurden wiederholt – darunter u.a. die Order, die Korrespondenten seien vor Verleumdungen und offener Ablehnung zu schützen und besser von den Redakteuren in die Redaktionsarbeit einzubinden.[10]

Der Aufstand vom 17. Juni 1953 hatte unmittelbare Auswirkungen auf die Volkskorrespondenten-Bewegung, die dadurch einen ersten großen Rückschlag erfuhr. Nach der gewaltsamen Niederschlagung der Proteste gerieten vor allem zunächst die hauptberuflichen Journalisten in die Kritik. Sie wurden von der SED-Führung hart kritisiert, da sie als „Augen und Ohren" der Presse und der Partei in der schweren Krisensituation versagt hätten.[11] Die Anklage, die Medien hätten ihre systemstabilisierende Funktion nicht erfüllt, führte u.a. dazu, dass Rudolf Herrnstadt, seit 1949 Chefredakteur des „Neuen Deutschland", nicht nur von seiner Funktion entbunden, sondern auch aus der Partei ausgeschlossen wurde.[12] Aber auch die Volkskorrespondenten waren scharfer Kritik ausgesetzt, da sie vermeintlich der Parteipresse vor dem 17. Juni keine entscheidenden Hinweise über die Unzufriedenheit in der Bevölkerung übermittelt hätten. Die „Spitzel der Partei" hätten kläglich versagt.[13] Mitte der 1950er-Jahre versuchten einige Redaktionen durch die Einführung neuer „kollektiver Formen" in der VK-Arbeit, eine erneute Stagnation der Bewegung aufzufangen. Ferner wurden bis 1956 VK-Abteilungen abgeschafft, die meist nur mit Registratur- und Statistikaufgaben befasst waren. Die erste „Bitterfelder Konferenz"[14] und die 3. Pressekonferenz[15] des ZK der SED, 1959, befassten sich mit der Umsetzung der von Ulbricht auf dem V. Parteitag der SED (10.-16. Juli 1958) verkündeten Ziele. Beide Konferenzen bestimmten die Entwicklung der Volkskorrespondenten-Bewegung bis Anfang der 1970er-Jahre entscheidend mit.[16] Zu den Kernforderungen zählten die „Erhöhung des politisch-ökonomischen Nutzeffektes der journalistischen Arbeit […], die Verstärkung des unmittelbaren Einflusses auf das Produktionsgeschehen [...] und die Weiterentwicklung der traditionellen und Schaffung neuer Formen der Einbeziehung der Massen in die Gestaltung der Zeitungen".[17]

Im Anschluss an die 3. Pressekonferenz gab es zumindest einen quantitativen Aufschwung in der Bewegung, was in der DDR-Publizistik als direkte Reaktion auf die Konferenz interpretiert wurde und sich auch statistisch in der Zunahme der aktiven Korrespondenten manifestierte.[18] Die Redaktionen der Bezirkszeitungen versuchten in der zweiten Hälfte des Jahres 1959, die geforderten Formen und Methoden in ihrer Arbeit mit den Volkskorrespondenten anzuwenden, und begannen neben der Bildung von VK-Kollektiven[19], -Aktivs[20] und -Redaktionen verstärkt mit der Durchführung von „VK-Streifzügen"[21] und „VK-Stafetten"[22]. Dadurch sollte die „kollektive Arbeit" weiter entwickelt werden. Im kommenden Jahrzehnt (bis Ende der 1960er-Jahre) gewann die „sozialistische Gemeinschaftsarbeit"[23] zwischen den freien Korrespondenten und den Journalisten weiter an Bedeutung. Dieser Gemeinschaftsarbeit wurde im Vergleich zu den einzeln arbeitenden Korrespondenten eine größere Autorität zugeschrieben. Der Vorteil der Kollektive lag in der leichteren „Anleitung" der Korrespondenten. Redaktionen und Parteileitungen konnten diese besser in eine vorgegebene Richtung drängen und gemeinsam schulen.

Als eine weitere Form der kollektiven Zusammenarbeit sind die ehrenamtlichen Redaktionen[24] und die VK-Beiräte[25] zu nennen. Ehrenamtliche Redaktionen sollten den Anspruch der SED verwirklichen, die Werktätigen auch in die redaktionelle Planung der Bezirkspresse einzubeziehen. Durch deren Arbeit sollten wiederum die Parteijournalisten einen besseren Überblick über die Ereignisse im Kreis bzw. Bezirk erhalten, der Informationsgehalt der Zeitung steigen und der Inhalt lebendiger, vielseitiger und problemreicher werden. Außerdem gab es persönliche Gespräche mit den Redakteuren sowie VK-Briefe, VK-Beratungen[26] oder -Treffs[27] und spezielle VK-Mitteilungsblätter. VK-Abendschulen[28], -Lehrgänge[29] und -Konferenzen[30] wurden nur in zeitlich größeren Abständen durchgeführt. Die traditionellen Formen der „Anleitung" waren einfache Rundschreiben und in unregelmäßigen Abständen erscheinende VK-Mitteilungsblätter, die die Redaktionen an ihre Korrespondenten verschickten. Meistens enthielten die Briefe Informationen über aktuelle politische Aufgaben und erläuterten die nächsten Parteipläne. Die Mitteilungsblätter galten als Bindeglied zwischen den Volkskorrespondenten und der Redaktion und wurden in den ersten Jahren von jeder Landes- bzw. Bezirkszeitung der SED herausgegeben. Allerdings erfüllten diese Mitteilungsblätter nicht immer ihren Zweck, da die Korrespondenten teilweise auf die darin enthaltenen Aufforderungen nicht reagierten.[31]

Die dritte relevante Etappe erstreckt sich von 1961/62 bis 1971, dem Regierungswechsel von Ulbricht zu Honecker. Durch den parteipolitisch forcierten Aufbau der Kreiszeitungen kam es Anfang der 1960er-Jahre zu einer weiteren Differenzierung des Pressesystems, und die Volkskorrespondenten wurden aufgefordert, verstärkt für die Kreiszeitungen tätig zu sein. Zudem beschlossen einige SED-Bezirksleitungen, dass nicht nur neue Korrespondenten gewonnen werden sollten, sondern vor allem auch die „Karteileichen" in den Redaktionen wieder „aktiviert" werden müssten. Die Organisation der Volkskorrespondenten-Bewegung wurde gestrafft, und die Vergabe von konkreten Aufträgen trug dazu bei, dass „wunschgemäß" geschrieben und auf die jeweils aktuellen Themen Bezug genommen wurde. Die Zahl der ehrenamtlichen Korrespondenten erhöhte sich bis 1963 auf etwa 17.000 und hatte sich somit binnen vier Jahren fast verdoppelt.

Nach Einstellung der Kreiszeitungen im Jahr 1966 versuchte die SED, die lokale Publizistik ihrer Bezirkszeitungen zu verbessern.[32] Dadurch gewann der Lokaljournalismus an Bedeutung. Auch die Volkskorrespondenten wurden aufgefordert, verstärkt über die Kommunalpolitik zu schreiben. Zunächst war die unzureichende personelle Besetzung der Lokalredaktionen der SED-Bezirkszeitungen ein Grund dafür, dass die Lokaljournalisten besonders positiv auf die Arbeit der ehrenamtlichen Korrespondenten reagierten und Lokalredakteure, im Gegensatz zu den Redakteuren der Fachabteilungen, ein sehr gutes Verhältnis zu ihnen pflegten.[33] Umfragen der SED-Bezirkszeitungen zeigten, dass die Leser vor allem der lokalen Berichterstattung mit Abstand die größte Aufmerksamkeit schenkten. Daraus wurde gefolgert, dass durch die Volkskorrespondenzen die Berichterstattung besonders „lebensnah" sei.[34] Die Korrespondenten sollten ihre Lokalredaktion über die „ganze Breite der gesellschaftlichen Probleme ihres unmittelbaren Wirkungsbereiches informieren".[35] Tatsache war aber, dass die Lokalredaktionen auf die Volkskorrespondenten geradezu angewiesen waren, denn nur durch sie war es personell überhaupt möglich, in regelmäßigen Abständen über alle Städte und Gemeinden im Kreis zu berichten.

Wirtschaftliche Schwierigkeiten und ein härterer politischer Kurs der SED führten 1960/61 zu einer allgemeinen Krise in der DDR. Mit dem Mauerbau am 13. August 1961 schottete sich die DDR unmissverständlich von der Bundesrepublik ab. Auch um die Stärke des eigenen Landes zu demonstrieren, stellte die SED ab 1963/64 wirtschaftliche Fragen in den Vordergrund der medialen Berichterstattung.[36] Viele Redaktionen entsprachen den Vorgaben daraufhin durch eine „wissenschaftlich-perspektivische Planung" der gesamten Redaktionsarbeit unter direkter Einbeziehung der „Massen".[37] Die 4. Journalistenkonferenz 1964 war die letzte zentrale Medientagung der SED.[38] Sie befasste sich allerdings kaum mit der Volkskorrespondenten-Bewegung, die sich wieder einmal in „ausgefahrenen Gleisen"[39] befand. In den folgenden Jahren hatten stattdessen grundsätzliche Aussagen auf den Parteitagen, Auftritte führender Parteifunktionäre und von Mitgliedern des Verbands der Journalisten der DDR (VDJ) die Funktion, wirtschaftspolitische Konzepte und Schlagworte in die Kommunikationspolitik zu transferieren und damit auch Richtlinien für die Volkskorrespondenten-Bewegung vorzugeben. Vor und nach dem VII. Parteitag der SED, 1967, stieg die Anzahl der eingesandten Volkskorrespondenzen bei den Kreisredaktionen wieder an. Gleichzeitig begann eine kritische Auseinandersetzung über die Volkskorrespondenten-Bewegung, insbesondere über die Qualität ihrer Beiträge. Die in den Jahren 1967 bis 1970 u.a. im Organ des Journalistenverbandes der DDR geführten Diskussionen verdeutlichen, dass die aktive Mitarbeit der Volkskorrespondenten trotz aller Bemühungen wieder zurückging. Beklagt wurde auch, dass Leiter und Funktionäre es zum Teil gar nicht zur Kenntnis nahmen, wenn z.B. ein Produktionsarbeiter seine Meinung zu gewissen Problemen in einer Volkskorrespondenz zum Ausdruck brachte.

Die vierte Phase setzt mit dem VIII. Parteitag der SED 1971 ein und endet mit dem Rücktritt Honeckers im Oktober 1989. Auf der 16. Tagung des ZK der SED am 3. Mai 1971 erfolgte die Ablösung Walter Ulbrichts von der Parteispitze. Sein Nachfolger, Erich Honecker, galt als Fachmann für alle mit Parteiorganisation, Parteikontrolle und Sicherheit zusammenhängenden Fragen.[40] Die Aktivierung der Volkskorrespondenten-Bewegung nach 1971 war eng mit der Forderung an die Redaktionen verknüpft, sich stärker an den Erfahrungen der Sowjetunion zu orientieren. Mit der Erneuerung der theoretisch-ideologischen Grundlagen der Medienarbeit auf dem VIII. Parteitag der SED 1971 sollte auch die praktische Umsetzung vorangetrieben werden.[41] Seit 1971 stieg die Zahl der ehrenamtlichen Korrespondenten und auch der von ihnen eingesandten Beiträge stetig an und stabilisierte sich bis Anfang der 1980er-Jahre auf einem relativ hohen Niveau. Anfang der 1970er-Jahre wurden die Abteilungen „VK/Leserbriefe" bei einigen SED-Bezirkszeitungen in Abteilung „Massenverbindung" umbenannt. Dadurch wurde auch nach außen hin sichtbar, dass sich diese Abteilungen mit allen Formen der Massenarbeit, also der Einbeziehung aller Werktätigen in die journalistische Arbeit, befassten. Insgesamt betrachtet, unternahmen die Redaktionen der SED-Zeitungen in den 1970er-Jahren zahlreiche Versuche, die VK-Arbeit wieder zu aktivieren. Es wurde aber eher auf alte Methoden – in neue Worthülsen verpackt – zurückgegriffen. Bis Mitte der 1980er-Jahre hielt sich das kommunikationspolitische Interesse an der Bewegung. In den späten 80er-Jahren arbeiteten schließlich nur noch wenige SED-Bezirkszeitungen mit ehrenamtlichen Korrespondenten zusammen. Lediglich etwa ein Drittel der Bezirkszeitungen der SED besaß 1988/89 noch eine gut organisierte Volkskorrespondenten-Bewegung.

Theoretische Grundlagen der Volkskorrespondenten-Bewegung

Die Medien in der DDR richteten sich in ihrer Arbeit nach den Prinzipien der marxistisch-leninistischen Pressetheorie und galten als Instrumente der SED. Die in den Parteimedien beschäftigten Journalisten sollten Mittler zwischen der Politik der Partei und den Rezipienten sein. In der DDR wurden die Hauptfunktionen und Grundprinzipien der „Presse neuen Typs" schrittweise nach dem Vorbild der Sowjetunion übernommen.[42] Oberstes Prinzip im DDR-Journalismus war die Parteilichkeit, also die bewusste und offene Parteinahme für die Interessen und Ziele der Arbeiterklasse und des gesellschaftlichen Fortschritts auf der Grundlage des Marxismus-Leninismus als deren wissenschaftlicher Begründung.[43] So verwundert es nicht, dass fast alle Journalisten der SED-Bezirkszeitungen auch Parteimitglied waren. Auch von den Volkskorrespondenten besaßen über 50 Prozent den Mitgliedspass, die anderen waren parteilos oder Mitglieder der Blockparteien.[44]

Die zur Lenkung und politischen Kontrolle der Medien in der DDR entwickelten Methoden waren vielfältig und wurden ständig perfektioniert. Für die „Anleitung" und Kontrolle der Parteiorgane war das „Sekretariat für Agitation und Propaganda des ZK der SED" zuständig. Die „Anleitung" der Zeitungen der Blockparteien wurde vom Presseamt beim Vorsitzenden des Ministerrates der DDR übernommen und die Gleichschaltung der Medien ferner durch die „Kaderpolitik", also die Besetzung der wichtigsten Positionen mit Parteigetreuen erreicht. Die Ausbildung der Journalisten, die Lizenzierungspflicht und das Postvertriebsmonopol für Presseerzeugnisse gehörten ebenso zu den Lenkungs- und Kontrollmechanismen wie die Selbstzensur der Journalisten. Sprachregelungen und konkrete Anweisungen zur Information der Medien sowie eine einheitliche Struktur der Redaktionen und die redaktionelle Planung komplettierten das tief gestaffelte Planungs-, Lenkungs- und Weisungssystem.[45]

Als theoretischer Grundpfeiler der Volkskorrespondenten-Bewegung galt das Prinzip der sogenannten Massenverbundenheit der Medien, die von der SED als die wichtigste Form der Verbindung der Presse mit der Bevölkerung angesehen wurde. Unter dem Motto „den Massen das Wort" wurden die Journalisten aufgefordert, mit den Volkskorrespondenten zusammenzuarbeiten. Besonders in der Ära Honecker gehörte der Ausbau der Massenverbindungen zu den vorrangigen Zielen der SED-Medienpolitik. So heißt es im Statut der SED von 1976: „Das Parteimitglied ist verpflichtet […] die Verbundenheit mit den Massen unaufhörlich zu festigen, ihnen den Sinn der Politik und die Beschlüsse der Partei zu erläutern […], sie für deren Durchführung zu gewinnen und von den Massen zu lernen."[46] Die Volkskorrespondenten sollten die Redaktionen der sozialistischen Presse, des Rundfunks oder des Fernsehens regelmäßig über die Entwicklung des politischen, ideologischen, wirtschaftlichen und kulturellen Lebens informieren, selbst Beiträge schreiben und bei der Vorbereitung und Durchführung journalistischer Aktionen mithelfen.[47]

Vor allem in der Ära Honecker stilisierte man die ehrenamtlichen Korrespondenten zu „Agitatoren der Partei" sowie zu „Helfer[n] der Redaktionen" bei der Durchsetzung der Parteibeschlüsse. Mit dieser Rollenzuweisung wurde versucht, ein institutionelles Rückkopplungssystem zu etablieren. Die Redaktionen hielten die ehrenamtlichen Korrespondenten an, Meinungen von Lesern über bestimmte Beiträge einzuholen. Sie wollten damit in Erfahrung bringen, welche vermeintliche Wirkung die journalistischen Texte hatten. Im Grunde führten die Redaktionen mit Hilfe der Volkskorrespondenten eine eigene Rezipientenforschung durch, um anschließend ihre Arbeit danach ausrichten zu können. Diese Funktion trat allerdings Ende der 1960er-Jahre mit Gründung der empirischen Wirkungsforschung in der DDR zunehmend in den Hintergrund.

Es ist ganz offensichtlich, dass die Volkskorrespondenten, ebenso wie die hauptberuflich tätigen Journalisten, vom politischen System geprägt und von den redaktionellen Normen sowie gesellschaftlichen Werten abhängig waren. Die einzelnen Phasen der Entwicklung der Bewegung geben auch Auskunft über den Stellenwert der Volkskorrespondenten in der Gesellschaft. Aufgrund fehlender empirischer Untersuchungen bleibt das Bild allerdings vorwiegend ein innerjournalistisches, da sich kaum Einschätzungen von berufsfremden Personen finden. Das Selbstverständnis der Volkskorrespondenten-Bewegung ist facettenreich und individuell geprägt. Nach 1971 wurde die VK-Arbeit zur „Parteiarbeit" aufgewertet, und damit stieg auch der Stellenwert der Korrespondenten im redaktionellen wie auch im privaten Umfeld. Die eigenen Motive, ehrenamtlich journalistisch tätig zu sein, waren sehr unterschiedlich. Während es für die einen „selbstverständlich" war, sich in den Dienst der Partei und ihrer Organe zu stellen, wollten die anderen ihr Einkommen ein wenig aufbessern oder an Einfluss in ihrem Umfeld gewinnen.[48]

Die Arbeit der Volkskorrespondenten galt als ehrenamtliche Tätigkeit, dennoch gab es für die veröffentlichten Beiträge eine Honorierung. Bis in die 1950er-Jahre hinein waren einige daher als „Honorarjäger" und „Zeilenschinder" verpönt, auch, weil sie ihre Beiträge gleich an mehrere Redaktionen sandten. Im „Handbuch für Kreiszeitungsredakteure" hieß es, dass die Volkskorrespondenten keine Zeilenhonorare erhalten würden, sondern ihre Beiträge jeweils nach Bedeutung zu honorieren seien.[49] Viele SED-Bezirkszeitungen zahlten aber kein Pauschalhonorar, sondern ein Zeilengeld. Die ehrenamtlichen Korrespondenten der „Leipziger Volkszeitung" erhielten beispielsweise ein Zeilenhonorar zwischen 30 und 50 Pfennig. Für fertig abgezogene Fotos mit Unterzeile zahlte die LVZ 15 Mark.[50] Insgesamt handelte es sich eher um eine Aufwandsentschädigung als um einen Nebenverdienst.

An die Volkskorrespondenten wurden zahlreiche Ansprüche herangetragen. In der Gründungsphase der DDR sollten sie vor allem Missstände in den Betrieben und Wohngebieten aufdecken. In dieser Phase hatten die Korrespondenten zunächst eine reine Kontrollfunktion inne: Sie fungierten als eine Quelle der internen Partei-Information. Als „Sprachrohr" gaben sie der Redaktion die Gedankengänge ihrer Arbeitskollegen und Wohnnachbarn wieder. Die Volkskorrespondenten unterrichteten die Parteistellen durch ihre Tätigkeit in ihren Betrieben und Wohnbereichen indirekt über Fehler und Mängel bei der Verwirklichung von Beschlüssen und Anordnungen. Gleichzeitig sollten sie aber auch über vermeintliches Fehlverhalten von Redakteuren informieren. Ihr Ansehen in der Bevölkerung war daher eher gering, so kursierte derzeit die Bezeichnung „Spitzel der Partei". Ihre Kontroll- und Organisationsfunktion innerhalb des Parteiapparates ist nicht zu unterschätzen. Der Journalistenverband aber sprach den Volkskorrespondenten erst in den 1970er-Jahren eine wichtige Rolle beim Informationsaustausch mit der Redaktion zu.[51]

Die Einbindung der Volkskorrespondenten in das journalistische System

Die Akzeptanz der Volkskorrespondenten durch die hauptberuflichen Journalisten schwankte in den einzelnen Perioden sehr stark. Besonders in den 1950er- und zum Teil noch in den 1960er-Jahren sahen viele Redakteure sie nur als unqualifizierte Vielschreiber an, deren Korrespondenzen nicht den journalistischen Anforderungen entsprächen. Journalisten „alter Schule"[52] klagten darüber, dass die Beiträge überarbeitungsbedürftig seien und man keine Zeit für die „Anleitung" und Betreuung dieser ehrenamtlichen Schreiber hätte. In den 1970er- und 1980er-Jahren nahm der Stellenwert der Volkskorrespondenten-Bewegung allerdings innerhalb der Redaktionen deutlich zu. Vor allem Lokalredakteure nutzten die ehrenamtlichen Korrespondenten zur Unterstützung, um den permanenten Personalmangel auszugleichen. Um diese an sich zu binden, sparten die Redaktionen daher nicht mit materiellen und „moralischen" Auszeichnungen, wodurch als Nebeneffekt auch das Image der Volkskorrespondenten-Bewegung verbessert wurde. Zur Abdeckung des Personalmangels wurden sogar Redaktionspraktika an besonders „aktive" und „bewährte" Korrespondenten vergeben. Die massive Einführung von Redaktionspraktika in den 1960er-Jahren, die bis zu zwei Wochen dauerten, entsprach zum einen der Forderung der 3. SED-Pressekonferenz, die Bewegung als Nachwuchsreservoir zu verstehen. Zum anderen aber benötigten die Parteizeitungen zum Aufbau der Lokalredaktionen mehr Journalisten.[53]

Als Herausgeber der SED-Bezirkszeitungen waren die Bezirksleitungen für deren Kontrolle zuständig, setzten sich für die Durchführung der politischen Linie ein, leiteten die Journalisten an und zeichneten die Redaktionspläne[54] ab. Die Bezirksleitung ließ sich von der Redaktion auch regelmäßig über die Arbeit und die Entwicklung der Korrespondenten berichten. In dem Maße, wie sich die SED-Parteileitungen mit der Bewegung befassten und ihren Stellenwert beeinflussten, mussten sich auch die Journalisten der Volkskorrespondenten-Bewegung annehmen. Damit können die wiederkehrenden Auf- und Abschwünge der Bewegung erklärt werden.

Unter Honeckers Regie befasste sich auch der Journalistenverband der DDR (VDJ) mit der Qualifizierung der Volkskorrespondenten. Robert Wassmann, Präsidiumsmitglied des Zentralvorstandes des VDJ, formulierte auf der 3. Tagung des Journalistenverbandes der DDR, im Mai 1973, Kernaussagen zur Volkskorrespondenten-Bewegung, die bis zum Ende der Republik als Maßstab galten.[55] Wassmann vertrat die Ansicht, dass die Volkskorrespondenten-Bewegung „für die journalistische Arbeit mit der weiteren Gestaltung der entwickelten sozialistischen Gesellschaft an Gewicht gewinnt"[56]. Der VDJ-Zentralvorstand verabschiedete auf der Tagung zehn Empfehlungen für die weitere VK-Arbeit, die im Wesentlichen auch in späteren Beschlüssen und Dokumenten des VDJ, der SED und ihrer Organe wiederholt wurden. So wurde festgehalten, dass neue Korrespondenten vor allem aus der „materiellen Produktion" gewonnen werden und nur für eine Redaktion tätig sein sollten. Die Redaktionen sollten die Arbeit mit den Korrespondenten fest einplanen. Allerdings flachte das Interesse des Verbandes an der Bewegung im Laufe des Jahrzehnts wieder ab.

Die Anzahl der Volkskorrespondenten selbst und die der eingereichten bzw. der veröffentlichten Beiträge waren stets ein Indiz für die Entwicklung der Volkskorrespondenten-Bewegung. Im offiziellen Sprachgebrauch der DDR wurden als „Volkskorrespondenzen" die „informierend-kritischen" Beiträge verschiedener journalistischer Gattungen, die von ehrenamtlichen Korrespondenten geschrieben wurden, bezeichnet.[57] Bis Mitte der 1950er-Jahre stand die Quantität der Beiträge im Vordergrund. In diesem Jahrzehnt erhielten die Redaktionen der SED-Bezirkszeitungen durchschnittlich rund 1.000 Volkskorrespondenzen pro Monat, von denen etwa zwei Drittel veröffentlicht wurden.[58] Dies ist allerdings ein grober Durchschnittswert, denn die Zahl der eingegangenen und veröffentlichten Texte unterlag starken Schwankungen, sowohl zeitlich als auch regional. Ein bedeutender quantitativer Anstieg der Volkskorrespondenzen ist in den 1970er-Jahren zu verzeichnen. So erhielt z.B. die „Leipziger Volkszeitung", die seit 1973 monatlich solche Angaben in ihrem VK-Blatt „Der Funke" abdruckte, durchschnittlich pro Jahr 12.000 bis 14.000 Beiträge.[59] Die Veröffentlichungsquote bei den Lokalredaktionen blieb über Jahrzehnte konstant und lag durchschnittlich bei stattlichen 90 Prozent. Auf den Bezirksseiten wurden in der Regel 40 bis 45 Prozent der eingegangenen Volkskorrespondenzen veröffentlicht. Die abgedruckten Beiträge sollten auch zur „Anleitung" und Qualifizierung der Volkskorrespondenten selbst dienen. Thematisch richteten sich die Beiträge meist sehr genau nach den Beschlüssen der jeweiligen SED-Bezirksleitung. Darin wurde gefordert, dass die Medien die allgemeinen gesellschaftlichen Ziele durch konkrete und treffende Beispiele aus dem Alltag sichtbar machen sollten.[60]

In den 1960er-Jahren lag der Fokus der Berichterstattung auf der Wirtschaft und später auf der Kommunalpolitik. Darüber hinaus schrieben die Korrespondenten in allen Entwicklungsphasen meist über ihren Wohn- und Freizeitbereich. In der Regel wurden nur Beiträge mit positiver Aussage abgedruckt. Zwar forderten die Redaktionen immer wieder dazu auf, auch Missstände unter die Lupe zu nehmen, aber diese wurden selten veröffentlicht. Kritische Beiträge sollten konkret formuliert sein und eine systemkonforme Kritik wiedergeben. Aber nicht allein die strengen Maßstäbe, die für kritische Korrespondenzen galten, erklären, weshalb die Redaktionen nur wenige erhielten. Eine weitere Ursache lag in der berechtigten Sorge der Volkskorrespondenten, dass die Kritik direkt negative Folgen für sie haben könnte. Verfasser kritischer Beiträge wurden in ihren Betrieben für eine negative Berichterstattung „herzitiert". Ihre Betriebsleiter erklärten ihnen deutlich, dass es sich um interne Angelegenheiten handeln würde, die nicht zur Veröffentlichung bestimmt seien. Andere berichten, dass sie aufgrund ihrer ehrenamtlichen journalistischen Arbeit in ihren Betrieben nicht mehr zu wichtigen Gesprächsrunden eingeladen worden seien.[61] Aber auch Redakteure fürchteten Konsequenzen kritischer Beiträge, für die sie verantwortlich waren, und strichen daher unliebsame Passagen in den Volkskorrespondenzen eher raus.[62]

Die meisten Volkskorrespondenzen wurden auch als solche in der Parteipresse kenntlich gemacht. So findet sich auf den Seiten der SED-Bezirkszeitungen neben dem Kürzel „VK" häufig sogar der vollständige Name des Korrespondenten.[63] Vielfach setzten die Parteizeitungen dem Kürzel noch ihr eigenes Zeitungskürzel vor, so betitelte die „Leipziger Volkszeitung" häufig Beiträge mit „LVZ-VK" oder das SED-Organ „Neues Deutschland" mit „ND-VK". Allerdings gab es auch VK-Beiträge, die ohne korrekte Kennzeichnung des Verfassers abgedruckt wurden.

Die Volkskorrespondenten-Bewegung der „Leipziger Volkszeitung". Eine exemplarische Betrachtung

Die praktische Arbeit der Redaktionen mit den Volkskorrespondenten soll im Folgenden am Beispiel der „Leipziger Volkszeitung" (LVZ) verdeutlicht werden.[64] Die traditionsreiche SED-Bezirkszeitung versuchte in den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg, an ihre Erfahrungen in der redaktionellen Arbeit mit den Lesern aus der Zeit vor 1933 anzuknüpfen.[65] Die in den unterschiedlichen Phasen propagierten Methoden und Formen der VK-Arbeit wurden bei der LVZ vorgabengetreu umgesetzt. Das Blatt war eine der ersten SED-Zeitungen, das bereits gegen Ende der 1960er-Jahre mit besonderen Aktionen versuchte, ihre rund 1.000 ehrenamtlichen Korrespondenten zu mobilisieren und auf ihre neuen Aufgaben vorzubereiten. In diesem Sinne fand auch 1970 eine zentrale VK-Tagung statt, mit deren Hilfe „die Probleme des vergangenen Jahrzehnts" überwunden werden sollten.[66] Gleichzeitig wurden regelmäßige „VK-Treffs" veranstaltet.

Zur Stärkung der Bewegung und zur Erhöhung der Veröffentlichungsquote wurden die Beiträge der Volkskorrespondenten besonders hervorgehoben: Die Freitagsausgabe der LVZ enthielt seit Januar 1972 zwei Spalten mit dem Titel „LVZ-Volkskorrespondenten berichten". Im VK-Mitteilungsblatt der LVZ „Der Funke" erschienen zu diesem Zeitpunkt besonders viele kritische Beiträge über die mangelnde Zusammenarbeit der Redakteure mit den Korrespondenten. Gleichzeitig schilderten Volkskorrespondenten selbst, warum sie nicht regelmäßig schreiben könnten oder wollten.[67] Während einige ihre Schreibunlust mit Zeitmangel begründeten, betonten andere, dass das reservierte Verhalten seitens der Partei- bzw. der Betriebsleitungen dafür verantwortlich sei. Auch das starke Einkürzen der eingereichten Volkskorrespondenzen oder das Umschreiben der Beiträge würde nicht gerade förderlich sein.[68] Kritik ernteten dabei auch die Redakteure, die die Volkskorrespondenzen „bis zur Unkenntlichkeit kürzten, veränderten oder gar nicht abdruckten".[69] Auch gaben einige ehrenamtliche Korrespondenten an, dass sie den Eindruck hätten, ihre Arbeit würde von den Redakteuren nicht ernst genommen werden.

Eine im Mai 1973 erstellte Analyse der Chefredaktion der LVZ ergab, dass die Entwicklung der Volkskorrespondenten-Bewegung stagniere und insgesamt nicht den Anforderungen und Aufgaben des VIII. Parteitages der SED entspräche.[70] Das Kollegium arbeitete deshalb Thesen zur Qualifizierung aus, in denen auch auf die Ursachen für die Stagnation eingegangen wurde. Ihr Fazit bestand in weitestgehend bekannten Feststellungen, wie zum Beispiel, dass die Redakteure die Volkskorrespondenten über Jahre hinweg „ziemlich tiefgekühlt" behandelt hätten oder zu wenige von ihnen aus dem Bereich der materiellen Produktion kämen. Auch würden die ehrenamtlichen Korrespondenten nicht kontinuierlich angeleitet und nicht in die Planung der Redaktion einbezogen.[71] Gegen Ende des Jahres 1973 stieg jedoch die Zahl der Volkskorrespondenzen auf den Lokalseiten erneut an – eine Tendenz, die auch in den Folgejahren anhalten sollte. Während im Jahr 1974 über 10.000 Volkskorrespondenzen in der LVZ abgedruckt wurden, waren es 1978 bereits über 16.000. Zudem wurde beim Chefredakteur der LVZ eine besondere Arbeitsgruppe gegründet, die die ehrenamtlichen Korrespondenten mindestens einmal monatlich in den Lokalredaktionen oder den Abteilungen der Bezirksredaktion anleiten und jährlich eine VK-Tagung organisieren sollte.

Die LVZ setzte verstärkt auf die „redaktionelle Anleitung" und führte ab Mitte der 1970er-Jahre für neue Volkskorrespondenten einwöchige Redaktionspraktika durch. In dieser Phase nahmen auch führende SED-Bezirksfunktionäre schriftlich Stellung zu Fragen des politischen Umgangs mit der Volkskorrespondenten-Bewegung in der LVZ. Ende Juli 1973 hob der 1. Sekretär der SED-Bezirksleitung Leipzig, Horst Schumann in einem Brief an alle Stadt-, Stadtbezirks- und Kreisleitungen der SED sowie an 250 Parteileitungen der Betriebe die zunehmende Verantwortung der Parteiorganisationen für die Volkskorrespondenten-Bewegung hervor.[72] Schumann forderte die Parteileitungen auf, selbst neue Korrespondenten auszuwählen und politisch-ideologisch anzuleiten sowie ihnen konkrete Aufträge zu übertragen. Im Zusammenspiel mit den Parteifunktionären erreichte die LVZ einen Aufschwung in ihrer Volkskorrespondenten-Bewegung, der sich nicht zuletzt in der Gründung der „VK-Akademie", 1976, äußerte. Die Akademie orientierte sich an dem Vorbild sowjetischer „Universitäten für Arbeiter- und Bauernkorrespondenten"[73] und sollte die Qualität der journalistischen Arbeit verbessern. Hierzu gehörte auch, dass erstmals 1975 von der Redaktion der LVZ ein Jahresplan für die VK-Arbeit aufgestellt wurde, der inhaltliche Schwerpunkte sowie Vorgaben für die Entwicklung des VK-Netzes enthielt.

Zur weiteren Aufwertung der VK-Arbeit wurde im Juli 1977 der „Sektor Massenverbindung" in der Abteilung Innenpolitik der LVZ gebildet, der die VK- und Leserbriefredaktion umfasste. Ende der 1970er-Jahre gab es 1.100 ehrenamtliche Korrespondenten bei der LVZ, die allerdings nicht regelmäßig Beiträge lieferten. So schrieben u.a. Anfang der 1980er-Jahre von 101 Korrespondenten der Lokalredaktion Delitzsch nur 20-25 einmal im Monat für die Zeitung.[74] Nach Gründung der „Abteilung Massenverbindung der LVZ" im Jahr 1983 kam es zu einer Überprüfung der Personen-Kartei der Volkskorrespondenten, und inaktive Korrespondenten wurden gestrichen. Gleichzeitig galt es, die „weißen Flecken" in der regionalen Verteilung zu beseitigen. So übernahmen einige Patenschaften für bestimmte Orte, in denen es noch keine ehrenamtlichen Korrespondenten gab. Am 11. April 1987 fand die letzte große VK-Konferenz der LVZ statt, auf der vor allem die Informationsfunktion der Volkskorrespondenten-Bewegung betont wurde: Der Volkskorrespondent sei in erster Linie Informator und benötige für seine Arbeit „Verbündete". Er müsse daher ständig Kontakt zur Partei- und Betriebsleitung halten.[75]

Fazit

Die wiederkehrenden Krisen der Volkskorrespondenten-Bewegung lassen nur eine Erklärung zu: Die Massenverbundenheit der Presse blieb ein politisches Postulat und konnte trotz wiederholter Kampagnen nicht wirksam von der Theorie in die Praxis umgesetzt werden. Die Bewegung pendelte zwischen Stagnation und kurzzeitigen Phasen des Aufschwungs, der jedoch nur um den Preis ressourcenintensiver Mobilisierungsversuche zu erreichen war. Solche Aktivierungsschübe erfolgten insbesondere kurz nach SED-Parteitagen.

In den vier Jahrzehnten des Bestehens der DDR konnten die Probleme in der VK-Arbeit zu keinem Zeitpunkt endgültig überwunden werden. Sowohl die Quantität als auch die Qualität der Beiträge wurden als unzureichend angesehen. Die ungenügende „Anleitung" und Qualifikation blieben Dauerthemen; immer wieder wurde die geringe Zahl der veröffentlichten Beiträge beklagt. Die Volkskorrespondenten selbst waren eng in das politische System eingebunden, ihre Zustimmung zur Politik der SED wurde erwartet und vorausgesetzt. Kritik war nur erwünscht, wenn sie „konstruktiv" und damit systemimmanent blieb. Im gesellschaftlichen Umfeld der ehrenamtlichen Korrespondenten wurde diese Form der journalistischen Tätigkeit unterschiedlich bewertet. Vor allem im Bereich der Massenorganisationen und des Vereinswesens wurden die freien Korrespondenten durchaus als vollwertige Journalisten anerkannt. Auf betrieblicher Ebene wurden sie eher argwöhnisch beobachtet: Mögliche Berichte über Probleme bei der Planerfüllung und interne Spannungen im Betrieb waren heikel. Die Funktionäre vor Ort wussten, dass solche Kritik bei ihren vorgesetzten SED-Leitungen landete und entsprechende politische Aktivitäten auslöste.

Mit dem Ende der DDR (am 3. Oktober 1990) endete auch die Volkskorrespondenten-Bewegung. Nach der Vereinigung beider deutscher Staaten hatte die Bewegung keine Existenzberechtigung mehr. Die „Leipziger Volkszeitung" schaffte 1990 den Begriff „Volkskorrespondenten" ab und führte den Begriff „LVZ-Korrespondent" ein. In der neuen Medienlandschaft mit einer freien Presse waren die Volkskorrespondenten und deren ideologische Fundierung in der marxistisch-leninistischen Pressetheorie obsolet. Sie galten als ein Relikt des politischen Systems der DDR. Die Redaktionen beschäftigten sehr schnell wieder einen kleinen Stamm von freien Mitarbeitern, die auf Honorarbasis Artikel schrieben.

Anmerkungen

  1. |Vgl. Klaus Zwanzig/Karl-Heinz Röhr/Fred Schreiber, Journalistische Arbeit im Betrieb – Ein Handbuch, Berlin (Ost) 1984. Für Betriebszeitungskorrespondenten gab es das offizielle Kürzel „BzK“.
  2. |Vgl. Rolf Geserick, Die Kommunikationspolitik der Deutschen Demokratischen Republik, Münster, Diss. 1987, S. 119ff.
  3. |Vgl. Theorie und Praxis der Pressearbeit, Lehrbrief 1: Die Grundprinzipien und Merkmale der Presse neuen Typs, Leipzig 1956, S. 39.
  4. sup> </sup>Vgl. Geschichte der deutschen Presse, Lehrbrief 14: Die deutsche Presse von der Zerschlagung des Naziregimes bis zur II. Parteikonferenz der SED (1945-1952), Leipzig 1956, S. 35.
  5. |Vgl. Geschichte des DDR-Journalismus, Studientexte III: Grundlagen des Journalismus, hrsg. v. Karl-Marx-Universität, Sektion Journalistik, Leipzig 1977, S. 8-9.
  6. |So heißt es z.B. im VK-Handbuch der Leipziger Volkszeitung, dass die Lehren Lenins und „die Erfahrungen der sowjetischen Kommunisten“ Richtschnur für die tägliche Arbeit mit den VK seien. Vgl. Handbuch für Volkskorrespondenten der „Leipziger Volkszeitung“, Leipziger Volkszeitung (Hrsg.), Redaktion Werner Stiehler, Karlheinz Niemeyer, Günter Seeliger, Leipzig 1975, S. 10.
  7. |Interview mit Manfred Arndt, Leiter der Abteilung Massenverbindung der LVZ, in: Sigrun Richter, Die Volkskorrespondenten-Bewegung der SED-Bezirkspresse. Theorie, Geschichte und Entwicklung einer Kommunikatorfigur, Frankfurt a. M. 1993, S. 112.
  8. Sie bereiteten die Redaktionen auch auf den Ausbau der Volkskorrespondenten-Bewegung vor und beschlossen die Gründung von VK-Abteilungen bei den SED-Tageszeitungen. Anders als im westlichen Sprachgebrauch waren die Presse- bzw. Journalistenkonferenzen der DDR keine „Pressekonferenzen“ nach üblicher Definition, sondern sie wurden in der DDR vom Journalistenverband einberufen und von der SED für Vertreter der Redaktionen veranstaltet. Meistens sprach das zuständige Mitglied des ZK der SED für Agitation und Propaganda über die programmatischen Aufgaben der Medien bei der Entwicklung der DDR und gab Richtungsanweisungen.
  9. sup> </sup>Vgl. Hermann Axen, Die Entwicklung der Parteipresse zu einer Presse von neuem Typus, in: Unsere Presse – die schärfste Waffe der Partei. Referate und Diskussionsreden auf der Pressekonferenz des Parteivorstandes der SED vom 9.-10. Februar 1950 in Berlin, Berlin (Ost) 1950, S. 15-31, hier S. 16.
  10. sup> </sup>Vgl. Arthur Schneider, Zentrum der Volkskorrespondenten-Bewegung ist die Redaktion, in: Kühner vorwärts auf dem Wege zu einer Presse von neuem Typus. Referate und Diskussionsreden auf der Pressekonferenz des ZK der SED vom 7. bis 8. März 1951 in Berlin, Berlin (Ost) 1951, S. 83.
  11. sup> </sup>Vgl. Wolfram Strehlau, Die Entwicklung der Volkskorrespondentenbewegung in der SED-Bezirkspresse nach dem V. Parteitag, dargestellt an der „Lausitzer Rundschau“ Cottbus in den Jahren 1958/1959, Leipzig, Dipl., 1961, S. 14.
  12. sup> </sup>Vgl. Günther Buch, Namen und Daten wichtiger Personen der DDR, Berlin 1987, S. 384.
  13. sup> </sup>Uwe Boldt, Neue Formen der Zusammenarbeit der sozialistischen Presse mit ihren Volkskorrespondenten im Kampf um den Sieg des Sozialismus – Ausdruck der sozialistischen Demokratie in der Deutschen Demokratischen Republik, Leipzig, Diss. 1963, S. 83.
  14. sup> </sup>Am 24. April 1959 wurde im Kulturpalast Bitterfeld eine DDR-Kampagne zur Förderung des künstlerischen Laienschaffens gestartet. Arbeiter sollten zu Stift und Papier greifen und so zur Hauptquelle sozialistischer Literatur werden. Zugleich sollten die Berufsschriftsteller in die Betriebe gehen und dort ihre Stoffe suchen, um so die angebliche Distanz zwischen Kunst und Leben in ihrem Werk zu verringern. Das SED-Politbüro mit Walter Ulbricht an der Spitze entschied, dass der Wirtschaftsplan von einer kulturellen Massenbewegung begleitet werden sollte.
  15. sup> </sup>Referat des Genossen Albert Norden, in: Die Presse – kollektiver Organisator der sozialistischen Umgestaltung. 3. Pressekonferenz des ZK der SED, 17. und 18. April 1959 in Leipzig, Berlin (Ost) 1959.
  16. sup> </sup>Vgl. Die Presse – kollektiver Organisator der sozialistischen Umgestaltung. Die Verantwortung der sozialistischen Journalisten. Beschluß des Politbüros des ZK der SED vom 28. April 1959, in: ZK der SED (Hrsg.), Dokumente der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands. Beschlüsse und Erklärungen des Parteivorstandes, des Zentralkomitees sowie seines Politbüros und seines Sekretariats, Bd. 7, Berlin (Ost) 1961, S. 626-642.
  17. sup> </sup>Ebd., S. 96.
  18. sup> </sup>Im Anhang ihrer Dissertation gibt Sigrun Richter einen Überblick über die quantitative Entwicklung der Volkskorrespondenten-Bewegung einzelner SED-Bezirksleitungen und beim “Neuen Deutschland“. Vgl. Richter, Volkskorrespondenten-Bewegung, S. 757.
  19. sup> </sup>Die Begriffe „VK-Aktiv“ und „VK-Kollektiv“ wurden bis Mitte der 1960er-Jahre verwandt und nicht voneinander abgegrenzt benutzt. Ein VK-Kollektiv umfasste die Gesamtheit der ehrenamtlichen Korrespondenten in einem Kreis, die in verschiedenen Betrieben arbeiteten.
  20. Ein VK-Aktiv war immer in einem Betrieb angesiedelt, es half sowohl der Betriebszeitung als auch der Kreisredaktion der Bezirkszeitung und arbeitete eng mit der Partei- und Gewerkschaftsleitung des Betriebes zusammen.
  21. sup> </sup>Bei einem VK-Streifzug untersuchten mehrere Korrespondenten gleichzeitig ein Problem vor Ort und berichteten darüber in der Zeitung.
  22. sup> </sup>VK-Stafetten wurden ähnlich den VK-Streifzügen durchgeführt. Die Redaktion legte vor der Aktion allerdings genau fest, welcher Korrespondent zu welchem Thema wann schreiben sollte. Der Stafettenstab wurde in der Zeitung von einem VK zum nächsten gereicht.
  23. Der Begriff „sozialistische Gemeinschaftsarbeit“ wurde in der DDR häufig verwandt. Er sollte zum Ausdruck bringen, dass alle Klassen für den Erfolg des Sozialismus verantwortlich seien, und steht letztlich für die Idee der sozialistischen Produktionsverhältnisse. So seien VK und Journalisten gemeinsam für die Parteimedien verantwortlich.
  24. sup> </sup>Für ihre Gründung war die Arbeit der sowjetischen Presse Vorbild. In der UdSSR stellte der Beschluss des ZK der KPdSU vom 28. Juni 1960 den Parteikomitees und Redaktionen die Aufgabe, ehrenamtliche Abteilungen und Redaktionen zu schaffen. In der Redaktionsarbeit der Bezirkszeitungen mit den VK bildeten sich seit 1961/1962 zwei Hauptformen heraus: Ehrenamtliche Redaktionen, die unter „Anleitung“ eines hauptamtlichen Redakteurs selbstständig von der Artikelplanung bis zum fertigen Manuskript arbeiteten. Theoretisch bestand die Funktion der ehrenamtlichen Redaktionen darin, ein bestimmtes Aufgabengebiet, für das es kein planmäßiges Ressort gab oder nicht genügend hauptamtliche Mitarbeiter zur Verfügung standen, verantwortlich zu übernehmen und unter „Anleitung“ durch die hauptamtlichen Redaktionsleiter weitgehend selbstständig zu bearbeiten. Sie arbeiteten mit VK und Autoren zusammen, organisierten die Leserarbeit, informierten die Redaktion über die „Massenwirksamkeit“ der Zeitung und schrieben selbst Beiträge.
  25. sup> </sup>Die ehrenamtlichen VK-Beiräte sollten als beratende Gremien Einfluss auf die Entwicklung der Volkskorrespondenten-Bewegung nehmen. Sie entwickelten sich erst Mitte der 1970er-Jahre und galten als spezielle fachliche Hilfsorgane von Redaktionen und Redaktionsabteilungen.
  26. VK-Beratungen wurden von den Redaktionen der SED-Bezirkszeitungen alle vier bis acht Wochen durchgeführt. Durch die Beteiligung der jeweiligen Parteisekretäre oder Stadt- und Staatsbediensteten sollte die gesellschaftliche Rolle der VK unterstrichen werden.
  27. VK-Treffs fanden vor allem in den 1960er-Jahren in den Kreisstädten statt. Allerdings war die Beteiligung der VK eher gering.
  28. VK-Schulen, Fachseminare und Wochenendkurse waren auf die journalistischen Fähigkeiten der VK ausgerichtet, die verbessert und erweitert werden sollten.
  29. sup> </sup>VK-Lehrgänge dienten vor allem der journalistischen Qualifizierung. Sie wurden in den 1970er- und 1980er-Jahren meistens dezentral durchgeführt. Es gab Lehrgänge, die zwei bis drei Tage, aber auch Lehrgänge, die nur einen Nachmittag oder Abend dauerten.
  30. VK-Konferenzen sollten den Erfahrungsaustausch zwischen der Redaktion und den VK fördern. Ihre Durchführung oblag den Redaktionen. Manche Redaktionen veranstalteten zwei Mal im Jahr VK-Konferenzen, andere nur eine in zwei Jahren. In der Regel nahmen auch Parteifunktionäre an solchen Konferenzen teil.
  31. Nach Aussagen des Leiters der Abteilung Massenverbindung der „Leipziger Volkszeitung“, Manfred Arndt, gab es zum Beispiel einen Aufruf im VK-Mitteilungsblatt „Der Funke“, sich als Ordner für das Pressefest zu melden. Es gab aber kaum Resonanz darauf. Vgl. Richter, Volkskorrespondenten-Bewegung, S. 434.
  32. Die Kreiszeitungen hatten erst Anfang der 1960er-Jahre die meisten Dorfzeitungen abgelöst. Ursache für die Auflösung der Kreiszeitungen war, dass sie ihre wichtigsten Funktionen, die Lokalberichterstattung und die Aktivierung der Bürger zur Mitarbeit im Heimatkreis, nicht ausreichend erfüllt hatten. Beide Aufgaben übernahmen die Lokalredaktionen der SED-Bezirkszeitungen.
  33. Interview mit Heinz Geisler, Leiter der Abteilung Massenverbindung der LR, 30.8.1989 im Haus der Lausitzer Rundschau (LR) in Cottbus, in: Richter, Volkskorrespondenten-Bewegung, S. 587. Die Fachabteilungen arbeiteten intensiver mit Wissenschaftlern und Funktionären zusammen, die den Journalisten beratend zur Seite standen. Daher ging die Zahl der VK, die für diese Abteilungen arbeiteten, ab Mitte der 1960er-Jahre zurück.
  34. Vgl. Helga Wagner, Wann springt der Funke über, in: ThuP (Theorie und Praxis der Pressearbeit) 43 (1989), Nr. 4, S. 228-231, hier S. 231.
  35. Vgl. Werner Illinger, Referat auf dem 2. Symposium des VDJ zu Fragen des Lokaljournalismus, Auszug, in: Werner Illinger/Dietrich Lander, Funktion und Aufgaben des Lokaljournalismus in der Bezirkspresse der SED. Studientexte IV, hrsg. v. Karl-Marx-Universität, Sektion Journalistik, Leipzig 1979, S. 13-35, hier S. 17.
  36. Vgl. Peter Christian Ludz, Die DDR zwischen Ost und West. Politische Analysen 1961 bis 1976, München 1977, S. 47ff.
  37. Vgl. Harry Grannich, Die hauptsächlichen kollektiven Formen der Einbeziehung ehrenamtlicher Kräfte in die Redaktionsarbeit der sozialistischen Presse der Deutschen Demokratischen Republik, Leipzig, Diss., 1965, S. 7.
  38. Die vierte Medienkonferenz des ZK der SED wurde aufgrund der gestiegenen Zahl der Journalisten, die bei Hörfunk oder Fernsehen arbeiteten, nicht mehr „Pressekonferenz“, sondern „Journalistenkonferenz“ genannt.
  39. Hanna Günther, Verbündete der Zeitung, hrsg. v. Verband der Deutschen Journalisten, Berlin (Ost) 1963, S. 12-21.
  40. Vgl. Ludz, 1977, S. 149.
  41. Der VIII. Parteitag beschloss grundlegende Maßnahmen zur weiteren Gestaltung der „entwickelten sozialistischen Gesellschaft“. Ein umfangreiches Sozialprogramm war mit dem beschlossenen Fünf-Jahresplan (1971-1975) verbunden. Vgl. Geschichte der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands. Abriß. Vorbereitet von einem beim Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED gebildeten Autorenkollektiv. Bestätigt durch eine Kommission des Politbüros des ZK der SED, Berlin (Ost) 1978, S. 555-559.
  42. Vgl. ebd., S. 40-41.
  43. Edmund Schulz/Frank Stader, Prinzipien des sozialistischen Journalismus, in: Theoretische Grundfragen des sozialistischen Journalismus, Leipzig 1983, S. 100-125, hier S. 103.
  44. Vgl. Verena Blaum, Marxismus-Leninismus, Massenkommunikation und Journalismus. Zum Gegenstand der Journalistikwissenschaft in der DDR, München 1980, S. 143. Bei fast 100 Prozent lag diese Quote für Journalisten, die für die Parteiorgane der SED tätig waren.
  45. Zu den Presseanweisungen siehe auch den Beitrag von Jürgen Wilke auf diesem Portal: Presseanweisungen. Organisation, Themen, Sprechakte. Zur Medienlenkung siehe Monika Gibas: Medienlenkung. Zu den Zensur-Maßnahmen im Besonderen in der SBZ siehe: Peter Strunk: …..
  46. Statut der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, angenommen auf dem IX. Parteitag der SED, 18.-22. Mai 1976, in: Dokumente zur Geschichte der SED, Bd. 3, 1971 bis 1986, Berlin (Ost) 1986, S. 174.
  47. Vgl. Wörterbuch der sozialistischen Journalistik, hrsg. v. Karl-Marx-Universität, Sektion Journalistik, Leipzig 1981, S. 210.
  48. Vgl. Gespräch mit sechs ausgesuchten VK der „Leipziger Volkszeitung“ am 12.12.1988 in Leipzig, in: Richter, Volkskorrespondenten-Bewegung, S. 276.
  49. Vgl. Handbuch für Kreiszeitungsredakteure, hrsg. v. Verband der Deutschen Journalisten, Berlin (Ost) 1962, S. 53.
  50. Information von Manfred Arndt (Leiter der Abteilung Massenverbindung der LVZ) vom 7.7.1988, in: Richter, S. 63.
  51. Vgl. Harri Czepuck, Der Journalismus in unserer Zeit und die Aufgaben für den Verband. Bericht des Vorsitzenden des Zentralvorstandes des VDJ an den IX. Kongreß des VDJ, in: Theorie und Praxis, Beilage der NDP, 26. Jg. (1976), Nr. 6, S. 12.
  52. sup> </sup>Mit Journalisten „alter Schule“ sind jene gemeint, die bereits vor Gründung der DDR journalistisch tätig waren und noch die Zusammenarbeit mit „freien Mitarbeitern“ kannten.
  53. Arbeitsgruppe Volkskorrespondenten, Leitfaden für das Redaktionspraktikum von Volkskorrespondenten, in: Der Funke 24. (1974), Nr. 2, S. 5.
  54. Es gab verschiedene Redaktionspläne bei den Bezirkszeitungen, langfristige, mittelfristige und kurzfristige. Während sich die lang- und die mittelfristigen Pläne direkt nach den von der SED verabschiedeten politischen Vorgaben richteten, hatten die Redaktionen für die kurzfristigen Pläne einen gewissen Spielraum, den sie je nach Themenlage füllen konnten. Insgesamt waren die westdeutschen Redaktionspläne nicht mit den Plänen der Redaktionen in der DDR zu vergleichen.
  55. Robert Wassmann, Probleme der Förderung und Aktivierung der VK-Arbeit. Die Volkskorrespondenten – unsere Mitstreiter. Referat auf der 3. Tagung des Zentralvorstandes des VDJ der DDR, in: Der Funke 23 (1973), Nr. 6, S. 3-10.
  56. Ebd., S. 9. Wassmann lieferte zudem eine Definition des Volkskorrespondenten: „Volkskorrespondenten sind vorbildliche Werktätige […], die im Auftrag der Arbeiterklasse und ihrer Partei in der Regel eine Redaktion über die gesellschaftliche Entwicklung ihres Lebensbereiches informieren und die darüber Berichte schreiben. Sie sollen in der Mehrheit im Bereich der materiellen Produktion tätig sein. Die Volkskorrespondenten werden von ihrer Redaktion kontinuierlich angeleitet, sie übernehmen Aufträge und informieren ihre Redaktion auch über die Wirkungen der Veröffentlichungen. Ebd., S. 6.
  57. Vgl. Wörterbuch der sozialistischen Journalistik, S. 120.
  58. Vgl. Richter, Volkskorrespondenten-Bewegung, S. 271.
  59. Vgl. ebd. Die LVZ erhielt 1953: 12.500, 1973: 9.672 und 1983: 14.521 Volkskorrespondenzen.
  60. Vgl. Karl-Heinz Röhr, Der Volkskorrespondent und sein Thema, in: Der Funke 26 (1976), Nr. 5, S. 6.
  61. Vgl. Richter. Diese und ähnliche Aussagen machten sechs ausgesuchte VK der LVZ, mit denen Sigrun Richter am 12.12.1988 in Leipzig ein Interview führte.
  62. Vgl. ebd., S. 276.
  63. Bei der LVZ wurden zahlreiche VK-Beiträge in besonderen Rubriken, Spalten oder gar ganzen Seiten veröffentlicht. Dort hieß es dann: „Unsere VK berichten“ oder „von unserem VK Helmut Müller“, Mitglieder der Brigade „Fortschritt“ etc.
  64. Die Zusammenarbeit der LVZ mit den Volkskorrespondenten ist sehr gut dokumentiert, denn einerseits ist das VK-Mitteilungsblatt, „Der Funke“ in Leipzig archiviert und andererseits wurden zahlreiche Diplomarbeiten in der DDR in der Sektion Journalistik an der Karl-Marx-Universität Leipzig zur LVZ verfasst, die sich auch mit den VK befassen.
  65. Die LVZ erschien am 19. Mai 1946 als Organ der SED für den Bezirk Nordwest-Sachsen, ab dem 15.8.1952 als Organ der SED, Bezirk Leipzig, und seit dem 2.11.1952 als Organ der Bezirksleitung Leipzig der SED. Vgl. Richter, Volkskorrespondenten-Bewegung, S. 703.
  66. Fritz Albrecht, In eigener Sache, Wie die ehrenamtlichen Mitarbeiter der LVZ die Wahlen mit vorbereiten, in: Der Funke 21 (1971), Nr. 11, S. 7-8, hier S. 8.
  67. Vgl. Hermann Schulze, Meine Gedanken zu einigen Fragen, in: Der Funke 22 (1972), Nr. 1, S. 5.
  68. Ebd.
  69. Richter, Volkskorrespondenten-Bewegung, S. 541.
  70. Vgl. Handbuch für Volkskorrespondenten der „Leipziger Volkszeitung“, S. 22.
  71. Vgl. Thesen zur Weiterentwicklung der VK-Bewegung der LVZ, 20. Juni 1973, in: Susann Michalk, Entwicklung der Massenverbindung der „Leipziger Volkszeitung“ nach 1945. Materialsammlung. Leipzig, Dipl., 1986, S. 11-12.
  72. Brief von Horst Schumann an die Parteiorganisationen im Bezirk Leipzig, in: Handbuch für Volkskorrespondenten der „Leipziger Volkszeitung“, S. 19-22.
  73. Vgl. Richter, Volkskorrespondenten-Bewegung, S. 514. Die VK-Akademie der LVZ wurde 1985 aufgelöst.
  74. Vgl. Manfred Freiberg, In Delitzsch bewähren sich enge Kontakte mit den Räten, in: Der Funke 32 (1982), Nr. 4, S. 3.
  75. Manfred Arndt, Im ständigen Dialog mit dem Leser, in: Massenverbindungen des sozialistischen Pressejournalismus. Studientexte zur Theorie und Methodik des sozialistischen Pressejournalismus, hrsg. v. Karl-Marx-Universität, Sektion Journalistik, Leipzig 1987, S. 9-18, hier S. 17.
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