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Leipziger Journalistenausbildung Version 1.0 Siemens Schemmert
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From DDR-Presse: Beitraege und Materialien

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Es handelt sich bei diesem Text um eine stark gekürzte Fassung von Christian Schemmert/Daniel Siemens, Die Leipziger Journalistenausbildung in der Ära Ulbricht, in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 61 (2013), Nr. 2, S. 201-237. Wir danken den „Vierteljahrsheften für Zeitgeschichte“ für die freundliche Genehmigung.
Hauptfoto: File:Leipziger Journalistenausbildung teaser.jpg
Inszenierte Lernsituation einer Seminargruppe am Institut für Publizistik und Zeitungswissenschaft, Mai 1951. Das Bild ist Teil einer Fotoserie, aus der 1952 eine Broschüre für Studienbewerber hervorging.
Die Leipziger Journalistenausbildung im „Roten Kloster“ in der Ära Ulbricht
von: Christian M. Schemmert, Daniel Siemens veröffentlicht: 15.07.2014
Die Universität Leipzig entwickelte sich nach dem Zweiten Weltkrieg zum Zentrum der akademischen Ausbildung für Journalisten in der DDR.[1] Ziel dieser Ausbildung war es, den publizistischen Nachwuchs praktisch und theoretisch umfassend zu schulen, um ihn anschließend in den staatstreuen Massenmedien einzusetzen. Trotz der zentralen Bedeutung der Leipziger Journalistenausbildung sind viele Aspekte ihrer Geschichte eher von Mythen umrankt denn wissenschaftlich erforscht.
Das „Rote Kloster“, fotografiert von der Wundtstraße, Ecke Tieckstraße, wenige Tage vor der Eröffnungsfeier der Fakultät für Journalistik im September 1954. Vorne zu sehen ist mit dem Wilhelm-Wolff-Haus eines von insgesamt vier größeren Gebäudekomplexen, in dem sich ab Herbst 1959 die Verwaltung befand. Das Institut für Rundfunkjournalistik, im Januar 1957 gegründet, war im Kurt-Eisner-Heim (rechts) untergebracht. Quelle: Universitätsarchiv Leipzig (UAL), Bestand Zentrum für Foto und Film, Nr. ZFF 0382, mit freundlicher Genehmigung ©
Es liegen in erster Linie ältere Studien über das „Rote Kloster“ vor, die zwar detailgenau sind, aber auf der deskriptiven Ebene stehenbleiben oder stark autobiografische Züge tragen.[2] Hinzu kommen Selbstdarstellungen, Qualifikationsarbeiten und andere universitäre Publikationen aus der DDR[3] sowie Erinnerungen ehemaliger Studenten und Dozenten, die sich meist nur wenig um kritische Einordnung bemühen.[4] Auch die neuere Historiografie zur Geschichte der DDR hat den Journalismus, von wenigen Ausnahmen abgesehen, nur kursorisch behandelt.[5] Dabei ist vor allem über die Ära Ulbricht wenig bekannt,[6] obwohl die Analyse dieser Jahre in besonderer Weise zeigt, wie die SED-Diktatur nicht nur etabliert, sondern auch massenmedial gestützt wurde. Elemente politischer Transformation lassen sich hier ebenso finden wie solche obrigkeitsstaatlicher Kontinuität oder Reminiszenzen an bestimmte Formen linker Gegenöffentlichkeit in der Weimarer Republik.

Propagandaanstalt für stalinistische Betonköpfe?

Die Fakultät für Journalistik war eine besondere Wissenschaftseinrichtung in der Hochschullandschaft der DDR, wie schon die Etiketten erkennen lassen, mit denen man sie wiederholt bedacht hat: eine Kasernierungs-, Ausbildungs- und Propagandaanstalt mit einer Riege stalinistischer „Betonköpfe“ an der Spitze, die inmitten von „Stasiland“ den „Kaderzöglingen“ die kommunistischen Klassiker eintrichterte. Dies ist jedoch ebenso eindimensional wie eine sozialontologische Reduzierung der Journalisten im Mediensystem der DDR auf den Typus des in seinem Handeln außerordentlich stabilen und somit jederzeit reflexiv gesteuerten homo oeconomicus.[7] Für ein besseres Verständnis der Leipziger Ausbildungszeit und ihrer Relevanz für die Massenmedien in der DDR muss diese vielmehr systematisch kontextualisiert und im Hinblick auf die Programmierung und Speicherung vor-bewusster Handlungsroutinen untersucht werden.[8]Für den Medienalltag in der DDR war jedenfalls nicht nur die tägliche Zensur entscheidend, sondern auch die in Leipzig erfolgte Vorauswahl der künftigen Journalisten sowie deren Selbstanpassung, die sie während des Studiums eingeübt hatten.

Ziel dieses Aufsatzes ist es daher, die Sozialisationserfahrungen angehender Journalisten stärker als bislang für eine Gesamtinterpretation der Geschichte der Massenmedien nutzbar zu machen. Eine Analyse der Leipziger Journalistenausbildung liefert etwa Antworten auf die vieldiskutierten Fragen, woher die Journalisten – ohne dass es eine Vorzensurbehörde gegeben hätte – wussten, worüber sie informieren durften, und ob ihnen immer gesagt werden musste, was sie zu schreiben hatten. An der Leipziger Fakultät ging es nicht nur um praktische Wissensvermittlung, sondern immer auch um eine spezifisch sozialistische Berufsideologie. Parteilichkeit, nicht das von der SED stigmatisierte „Nur-Journalistische“[9], war als Leitlinie schon während der Ausbildung vorgegeben: „Der Journalist ist politischer Funktionär. Mit den Mitteln der Publizistik verändert er das Denken und Fühlen, die Verhaltensweise der Menschen und kämpft so aktiv für die Verwirklichung der Beschlüsse der Partei.“[10]

Von der Publizistik zur Journalistik

Die ersten Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg waren für die Universität Leipzig eine Zeit der Neuorientierung. Dies galt auch für das Fach Journalismus, das hier Tradition hatte: 1916 war mit Karl Büchers Institut für Zeitungskunde die erste Forschungsstelle zur Geschichte und Arbeitsweise der Presse in Deutschland gegründet worden. Publizistik, die bis 1945 an der Philosophischen Fakultät angesiedelt war (und dorthin von 1951 bis 1954, nach mehrjährigen Zwischenstationen an den Fakultäten für Wirtschafts- und Sozialwissenschaft sowie der Gesellschaftswissenschaft, zurückverlegt wurde), konnte unter den neuen Machthabern nur langsam wieder regulär gelehrt werden.

Bereits im März 1946 wandte sich die Stadt Leipzig an die Universitätsleitung mit der Bitte, die Einrichtung einer „Landesjournalisten-Schule“ zu prüfen.[11] Die Universitätsleitung reagierte jedoch (noch) ausweichend. Sie sorgte sich um die wissenschaftliche Autonomie und fürchtete offenbar politische Einflussnahme. Der Stadt teilte sie mit, dass bereits das jetzt mögliche Studium der Publizistik eine „vollwertige wissenschaftliche Ausbildung“ ermögliche.[12] Als sich im späten Frühjahr 1947 das Scheitern des von Anton Ackermann und Franz Dahlem an der Parteihochschule Karl Marx verantworteten Pilotprojekts einer parteitreuen Journalistenausbildung abzeichnete,[13] machte sich Walter Ulbricht bei Wilhelm Pieck und Otto Grotewohl für Leipzig stark: „Wäre es nicht zweckmäßig, das Institut für Zeitungswissenschaft in Leipzig wieder zu eröffnen? Dieses Institut diente früher der Ausbildung von Journalisten. Auf diese Weise würden wir erreichen, daß wir stärkeren Einfluß auf die Ausbildung der Journalisten bekommen, und daß auch die Studenten, die Parteiredakteure werden, nach Beendigung der Hochschule, die an die Fakultät für Gesellschaftswissenschaften angegliedert werden könnte, eine staatlich anerkannte Charakteristik erhalten.“[14] Es dauerte jedoch bis 1950, ehe der Parteivorstand der SED beschloss, die Journalistenausbildung in Leipzig auszubauen.


In den Jahren 1949 und 1950 war es zunächst der Remigrant Hermann Budzislawski, der die Leipziger Publizistik umzugestalten versuchte. Der 1948 nach Deutschland zurückgekehrte und sogleich zum Professor ernannte Journalist und Publizist, der zeitgleich auch Mitglied der SED wurde, trat damit an die Stelle des bisherigen Lehrstuhlinhabers Gerhard Menz, einem Mitglied der Ost-CDU.
Professor Hermann Budzislawski am Arbeitsplatz, September 1958. Der deutsch-jüdische Remigrant war von 1954 bis 1962 der erste Dekan der Fakultät für Journalistik und einer der wenigen dort, die über langjährige praktische Erfahrungen im Journalismus verfügten. Quelle: Universitätsarchiv Leipzig (UAL), Bestand Zentrum für Foto und Film, Nr. ZFF 0813, mit freundlicher Genehmigung ©
Budzislawski schien der SED-Führung zunächst ein überaus geeigneter Kandidat für den Aus- und Umbau, hatte er doch seit den späten 1920er-Jahren für die linksliberale „Weltbühne“ geschrieben und diese in den 1930er-Jahren vom Prager Exil aus weitergeführt, nun mit deutlich pro-sowjetischer Tendenz.[15] Budzislawski hielt später fest, die Partei habe ihm gleich nach seiner Rückkehr aus den USA aufgetragen, sich als „politischer Professor“ zu betrachten, der „seine Kräfte zwischen der Universität und unmittelbaren politischen Aufgaben zu teilen habe“.[16]

Da der ehemalige Westemigrant jedoch vorübergehend als unzuverlässig eingeschätzt wurde,[17] bestellte ihn die ZK-Abteilung Agitation am 22. November 1950 ein und berief ihn von seiner Funktion ab. Am 27. November 1950 verfügte der Minister für Volksbildung, Paul Wandel, die sofortige Auflösung des Instituts für Publizistik an der Gesellschaftswissenschaftlichen Fakultät. Mit Wirkung vom 1. Dezember, so seine Anordnung, solle an der Universität Leipzig ein neuer Lehrstuhl für Publizistik und Zeitungswissenschaft eingerichtet werden.[18] Ordinarius (und bald darauf Institutsdirektor) wurde der erst Anfang Dezember 1950 zum Professor ernannte Eduard Schulz, der allerdings am 29. Juni 1951 mitsamt seiner Familie nach West-Berlin flüchtete, nachdem Vergewaltigungsvorwürfe gegen ihn erhoben worden waren.[19]

Seit dem 5. Januar 1951 firmierte die Leipziger Journalistenausbildung als Institut für Publizistik und Zeitungswissenschaft mit rasch anwachsender Studentenzahl. Während 1951 ungefähr 70 Studenten, die überwiegend aus dem „Kleinbürgertum“ (so der parteiinterne Sprachgebrauch) stammten, das Studium aufnahmen, waren im September 1954 bereits 357 Direktstudenten eingeschrieben. Gemäß einer Anweisung des Ministers für Volksbildung vom 8. Januar 1951 wurden sie zwecks besserer Kontrolle „internatsmäßig“ untergebracht.[20] Zu diesen Studenten kamen seit Herbst 1953 noch die Fernstudenten, deren Zahl im ersten Jahr bei 230 lag, sowie „Qualifizierungslehrgänge für Redakteure der sozialistischen Presse“, an denen mehrmals im Jahr bis zu 100 Personen teilgenommen haben sollen. 1954 war man stolz darauf, die Zahl der „Arbeiter- und Bauernkinder“ unter den Studenten signifikant erhöht zu haben; 1953 sollen es 76 Prozent aller Studienanfänger gewesen sein, außerdem vermeldete man im selben Jahr mit 46 Prozent einen hohen Frauenanteil unter den Studenten.[21] Die stetig steigende Anzahl von Studenten wie Mitarbeitern führte 1954 zur Aufwertung des Instituts, das sich – in Anlehnung an den Sprachgebrauch in der Sowjetunion – ab Herbst offiziell Fakultät für Journalistik nannte.

Die Fakultätsleitung

Der 1. September 1954 galt als offizieller Gründungstag der Fakultät für Journalistik. Vom Zentralkomitee (ZK) der SED bestätigter Dekan wurde der inzwischen rehabilitierte Hermann Budzislawski. Nach einer persönlich schwierigen Anfangszeit, in der Budzislawski, teils durch den ihm seit der Emigrationszeit bekannten und späteren Vorgesetzten Albert Norden[22] forciert, der Weg einer vergleichbaren politischen Laufbahn frühzeitig verbaut wurde, entwickelte er sich seit 1951/52 zum zentralen Kopf der Journalistenausbildung in Leipzig, der das stete Austarieren von Partei- und Fakultätsinteressen mit taktischem Geschick wahrnahm.

Der promovierte Nationalökonom Budzislawski war auch die treibende intellektuelle Kraft hinter dem 1966 veröffentlichten Lehrbuch Sozialistische Journalistik. Dieses Grundlagenwerk, das auf einer Vorlesungsreihe Budzislawskis und seines Schülerkreises beruht, war nicht nur eine der wenigen Publikationen der Fakultät, die bei einem regulären Verlag der DDR in Druck gingen und nicht nur als Skript für die Studenten ausgegeben wurden. Diesem Lehrbuch kommt auch insofern eine Sonderstellung zu, als hier zum ersten Mal der Versuch unternommen wurde, eine Theorie des sozialistischen Journalismus über den abstrakten Anspruch hinaus auch empirisch-sozialwissenschaftlich abzusichern. Natürlich ging diese Schrift von den Prämissen der neuen Gesellschaftsordnung aus, innerhalb dieser Grenzen aber war sie innovativ, auch im internationalen Vergleich. Vor allem die Abschnitte zur Medienwirkung bargen sogar politische Sprengkraft, waren nach Budzislawskis Verständnis doch die Formen des sozialistischen Journalismus nicht zuletzt von den Erwartungshaltungen der Mediennutzer abhängig.[23]

Auf Budzislawski folgte mit Beschluss des ZK-Sekretariats der SED vom 7. März 1962 Wolfgang Rödel, der zuvor Mitglied des Staatlichen Rundfunkkomitees gewesen war.[24] Was diesen in den Augen der SED besonders auszeichnete, war sein klarer politischer Standpunkt: „Nie gab es irgendwelche Schwankungen in politischen und kulturpolitischen Fragen. Er setzte die Politik der Partei konsequent durch.“[25] In einer von der Abteilung Agitation des ZK verfassten ausführlichen Begründung für seine Wahl zum Dekan wurde im Februar 1962 außerdem sein „besonders profiliert[es] Auftreten gegen die falschen Auffassungen von [Georg] Lucazs [sic!] und Prof. Hans Mayer“ positiv herausgestellt.[26] Nach einem „sehr hoffnungsvollen Start“, so die Fakultätsparteileitung 1965 rückblickend, habe sich jedoch schon bald nach Amtsantritt Rödels Gesundheitszustand verschlechtert, weshalb ihm im September 1964 Franz Knipping folgte, der sich zuvor seine Sporen als Mitglied der Parteileitung verdient hatte. Trotz dieser kurzen Zeit hatte Rödel in den Augen seiner Vorgesetzten eine „Aktivierung des Lehrkörpers und eine stärkere politische Erziehungsarbeit unter den Studenten“ erreicht.[27] In der Tat blieb es in den kommenden Jahren, bis zum „Prager Frühling“, erstaunlich ruhig an der Fakultät, was auch dem Umstand geschuldet sein dürfte, dass nun zahlreiche Assistenten und einige Professoren selbst Absolventen der Fakultät waren.[28] Sie hatten die strenge Parteilichkeit, die sie ihren Studenten immer wieder neu einschärfen sollten, bereits verinnerlicht.

Es wird hier vergleichsweise ausführlich auf die Dekane der Fakultät eingegangen, weil sie die vertikalen Sozialbeziehungen, also die Fakultätspolitik im engeren Sinne, in Absprache mit der Parteiführung entscheidend bestimmten. De facto fungierte der Dekan in erster Linie als verlängerter Arm der SED. Vor Ort waren es zudem aufstrebende SED-Nachwuchskader wie Werner Claus und Klaus Höpcke, von 1973 an stellvertretender Minister für Kultur,[29] die seit Mitte der 1950er-Jahre maßgeblich dafür sorgten, dass die Parteilinie an der Fakultät eingehalten wurde. Wer sich nicht ins „Kollektiv“ einfügte, bekam Schwierigkeiten oder wurde in letzter Konsequenz sogar ausgeschlossen.

Ausbildungsziele und Disziplinierung

Wer in Leipzig Journalistik studierte, der musste in den 1950er-Jahren Lehrveranstaltungen im Umfang von 24 bis 30 Wochenstunden belegen. Die Dozenten behandelten allerdings nur zum Teil genuin journalistische Themen wie die „Geschichte der deutschen Presse“ oder die „Theorie und Praxis der Pressearbeit“. Viele Vorlesungen und Seminare galten staatsbürgerlichen und parteipolitischen Fragen. So wurden im ersten Studienjahr „Grundlagen des Marxismus-Leninismus“ und der „Politischen Ökonomie“, im zweiten „Geschichte der deutschen Literatur“ und „Geschichte des deutschen Volkes“, im dritten „Dialektischer Materialismus“, „Aufbau und Struktur der Landwirtschaft der DDR“ (!) und – erstaunlich spät – „Staatsaufbau und Gesetzgebung der DDR“, im vierten schließlich „Probleme der marxistischen Ästhetik“ und „Fragen des Parteilebens in der Zeitung“ unterrichtet.[30]

Schon ein kurzer Blick auf diesen Lehrplan zeigt, dass weniger die Vermittlung von journalistischen Praxiskenntnissen oder die wissenschaftliche Reflexion darüber, sondern vielmehr die Ausbildung von vielseitig verwendbaren und umfassend im Sinne der Staatsideologie geschulten Kadern im Vordergrund stehen sollte. An der Praxisferne der Absolventen änderte auch der Umstand nichts, dass das Regelstudium bereits ab Herbst 1954 um ein Jahr auf nun vier Jahre verlängert wurde und eine einjährige praktische Ausbildung in den Massenmedien der DDR hinzukam, vor allem bei Zeitungen und dem Rundfunk, später auch dem Fernsehen. Noch Anfang der 1960er-Jahre urteilte der Verband der Deutschen Journalisten (VDJ) über den in der DDR ausgebildeten Nachwuchs: „Die meisten Redakteure haben reiche Erfahrungen als politische Funktionäre, aber unzureichende journalistische Kenntnisse und Fähigkeiten.“[31]

Es wäre allerdings verfehlt, die Fakultät als monolithischen Block anzusehen, wie es seit der Publikation des Buches von Brigitte Klump vielfach geschieht.[32] Was schon auf der Ebene des untereinander vielfach zerstrittenen Lehrpersonals an der Realität vorbeigeht, stimmt für die Gruppe der Studenten noch viel weniger. Hier zeigten sich seit Mitte der 1950er-Jahre sowohl Fälle von aktivem Widerstand wie auch ein verbreitetes generelles Unbehagen an den politischen Zuständen innerhalb der Fakultät wie in der DDR insgesamt. Über die Ereignisse in Ungarn 1956 fanden an der gesamten Universität intensive Diskussionen statt. Die Staatssicherheit vermerkte, dass einige Studenten der Fakultät für Journalistik in einer Wahlversammlung der FDJ (Freie Deutsche Jugend) am 19. Dezember 1956 auf die Bemerkung, dass man „geschlossen gegen den weißen Terror in Ungarn“ eintrete, mit Zwischenrufen wie „Schönfärberei!“ oder „Meinungsmaschine!“ reagiert hätten.[33] Solche kritischen Wortmeldungen blieben allerdings die Ausnahme. An der Fakultät dominierten, zumindest aus Sicht der Staatssicherheit, „positive Diskussionen“.[34]

Anders sah es bei den Reaktionen auf den Mauerbau vom 13. August 1961 aus. Wie in einem Bericht an das Staatssekretariat für das Hoch- und Fachschulwesen vom 30. September 1961 zu lesen ist, wurde gerade diese Frage als „Prüfstein der Haltung eines jeden Bürgers zum Arbeiter- und Bauern-Staat“ interpretiert. Umso bedenklicher erschien aus offizieller Sicht, dass ein Teil des wissenschaftlichen Nachwuchses die in ihn gesetzten Erwartungen nicht erfüllte. Im Gegensatz zu den Dozenten hätten nicht wenige eine „abwartende und schwankende Haltung“ gezeigt, da sie nicht begriffen hätten, dass „die Bonner Imperialisten durch das energische Zugreifen unserer Volksarmee und der Kampfgruppen an der Entfesselung eines Bürgerkrieges gehindert wurden“.[35] An der Fakultät für Journalistik hätten sich besonders bei den fortgeschrittenen Studenten im vierten Studienjahr „erhebliche Unklarheiten über Grundfragen unserer Politik“ gezeigt.

In engem Zusammenhang mit solchen Äußerungen steht das ungewöhnlich harte Vorgehen gegen das Studentenkabarett „Rat der Spötter“ im Herbst 1961, dem mit Manfred Albani, Heinz-Martin Benecke, Peter Seidel, Hans Ronneburger, Hans-Gert Schubert und Heiko Rämisch mindestens sechs Studenten der Fakultät für Journalistik angehörten.[36] Hinzu kam der ehemalige Leiter des Kabaretts, Ernst Röhl, der sein Journalistik-Studium gerade abgeschlossen und eine Stelle als Redakteur in Magdeburg angetreten hatte.[37] Das bereits seit 1954 bestehende Kabarett, offiziell zunächst eine Einrichtung der FDJ, war in den Vorjahren mehrfach ausgezeichnet worden, unter anderem wegen eines erfolgreichen Gastspiels in der Bundesrepublik. Bestimmende Figur dieses Laienkabaretts war seit 1958 Peter Sodann, seinerzeit Student der Theaterhochschule Leipzig und – wie die meisten seiner Mitstreiter – SED-Mitglied.[38]

Für den Herbst 1961 hatten die Studenten ein Programm mit dem Titel „Wo der Hund begraben liegt“ ausgearbeitet, das – so sah es die Parteileitung der Universität – einen „offen konterrevolutionären Charakter“ trug. Es sei erwiesen, dass „dieses Kabarettprogramm als ein Bestandteil im imperialistischen Programm des Bürgerkrieges gegen unsere Republik und das ganze sozialistische Lager zu werten ist“.[39] Die Vorwürfe waren gänzlich aus der Luft gegriffen.[40] Im aufgeheizten Klima des Herbstes 1961 versuchte die SED jedoch, durch ein kompromissloses Vorgehen in dieser Angelegenheit jede Art von Widerspruch zu unterdrücken. Beschwichtigende Hinweise aus der Fakultät, ja sogar aus der Abteilung Agitation des ZK, die ganze Angelegenheit sei ein „kleiner Überrest“ aus der Zeit von vor sechs oder sieben Jahren, verurteilte die SED- Kreisleitung als Versuch, „zu bagatellisieren und die aufgedeckten ideologischen Ursachen und Zusammenhänge mit Problemen in Forschung, Lehre und Erziehung an der Fakultät zu verwischen“.[41]

Nach der Voraufführung am Abend des 5. September 1961 verbot die Parteileitung der Karl-Marx-Universität das Programm. Die wichtigsten Mitglieder des Kabaretts wurden am 9. September verhaftet und blieben bis zu ihrer Verurteilung durch das Bezirksgericht Leipzig am 16. Juli 1962 in Untersuchungshaft. Wegen „fortgesetzter staatsgefährdender Hetze“ wurden drei von ihnen zu Haftstrafen zwischen einem Jahr und 10 Monaten (Sodann) beziehungsweise zu einem Jahr (Röhl, Albani) verurteilt. Die Strafen wurden zur Bewährung ausgesetzt. Allerdings hatten die Verurteilten bereits ein knappes Jahr in Untersuchungshaft verbracht, womit sie einen Großteil der Strafe faktisch abgesessen hatten.[42] Diese Affäre hatte auch für die Fakultät Konsequenzen. Die ZK-Abteilung Agitation machte insbesondere den damaligen Dekan Budzislawski dafür verantwortlich, dass sich ausgerechnet Studenten der Fakultät für Journalistik für die „Unterstützung konterrevolutionärer Elemente“ hergegeben hätten. Die Vorgänge in Leipzig hätten gezeigt, dass er nicht mehr über die „erforderliche Kraft“ verfüge, die Fakultät verantwortlich zu leiten.[43] Budzislawski, der nicht mehr auf die schützende Hand Nordens zählen konnte, wurde abgelöst. Spätestens von nun an dominierten auch an der Fakultät für Journalistik die ideologischen Hardliner.

Der Einfluss der Abteilung Agitation beim ZK der SED

Mit dem Ende der parteiinternen Kampagnen gegen Juden und Westemigranten Mitte der 1950er-Jahre kam es in der Parteiführung in Berlin zu einer wichtigen Regelung, die den DDR-Journalismus betraf. Fred Oelßner von der Abteilung Agitation des ZK, der bis dahin die gesamte Presselandschaft der DDR einschließlich der Ausbildungssituation in Leipzig verantwortete und der noch 1952/53 tatkräftig an den zum Teil antijüdischen Parteisäuberungen mitgewirkt hatte, musste im März 1955 ausgerechnet einem Funktionär jüdischer Herkunft weichen, der von Walter Ulbricht jahrelang nach Kräften protegiert worden war: dem Publizisten Albert Norden.[44]

Welche hohen Erwartungen Ulbricht in Norden setzte, lässt sich vor allem daran ersehen, dass er ihn noch 1955 zum Vorsitzenden der Kommission für Agitation beim Zentralkomitee ernannte. Eine der wesentlichen Aufgaben, die diese Agitationskommission vor dem Hintergrund der deutschlandpolitischen Ziele der SED zu erfüllen hatte, bestand darin, Argumente auszuarbeiten, die auch auf dem Gebiet der massenmedialen Produktion zum „Sieg“ im „Wettbewerb mit dem kapitalistischen Ausland“ beizutragen hatten. Dafür bedürfe es aber, so Nordens frühe Bestandsaufnahme, einer umfassenden Änderung im Bereich von Ausbildung und Arbeitsweise des Journalismus, der stärker noch als bisher eine entschiedene Konfrontation mit dem „westdeutschen Herrschaftssystem“ suchen sollte.[45]

Seit 1955 war Norden für die zentralen Arbeitsbereiche der Print- und audiovisuellen Massenmedien in der DDR politisch verantwortlich, Leipzigs journalistisches Ausbildungszentrum eingeschlossen.[46] In wichtigen Sach- und Personalfragen an der Fakultät für Journalistik, die allesamt im Politbüro und im Sekretariat des ZK der SED abgewickelt wurden, hatte er ein Mitspracherecht. Doch spielten die genannten Parteiinstanzen für die Journalistenausbildung in Leipzig tatsächlich eine so zentrale Rolle, wie es das Bild der arbeitsteiligen Herrschafts- und Verwaltungsstrukturen nahelegt? Oder kam nicht auch den in der Bezirkshauptstadt Leipzig ansässigen Einrichtungen wie der Karl-Marx-Universität eine wichtige Bedeutung zu, die als staatliche Organisation zum einen der ZK-Fachabteilung Wissenschaften unterstand und die zum anderen auf regionaler Ebene im Einflussbereich der mächtigen SED-Bezirkssekretariate lag? Diese Fragen sind nicht leicht zu beantworten, verfügen wir für das DDR-Regime doch kaum über Studien zum Beziehungsverhältnis zwischen Zentrum und Peripherie, die die scheinbare Dominanz und Allmacht der Zentrale gegenüber den Städten und Bezirken des Landes kritisch hinterfragen.[47]

Eine Analyse der Beziehung der Fakultät zur Parteiführung in Berlin deutet nicht auf eine ausschließliche „Fremdbestimmung“ aus der Hauptstadt hin. Zwar kam dieser Parteidienststelle, im Jahr 1955 mit weit über fünfzig Angestellten eine der größten ihrer Art, eine herausragende Rolle für die Ausbildung von Journalisten in der DDR zu.[48] So waren die Kontrolle von Lehrplänen und Forschungsprogrammen, die Auswahl der Studenten und die Zuweisung der Absolventen, die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses und die Festlegung des Austausches mit benachbarten „Bruderstaaten“ allesamt Entscheidungen, die außerhalb der Fakultätsmauern getroffen wurden und zuweilen sogar die Agitationskommission beim Politbüro unmittelbar beschäftigten.[49] Allerdings: Auch wenn die ZK-Fachabteilung Agitation für sich selbst in Anspruch nahm, über die Fakultäts- und Parteileitung hinaus direkt auf die Parteiorganisation der Fakultät Einfluss zu nehmen, so überschnitt sich doch gerade dieses Aufgabenfeld eindeutig mit dem Zuständigkeitsbereich der SED-Organisation an der Universität.[50] Derartige Kompetenzüberschneidungen waren nicht einmal an der Moskauer Fakultät für Journalistik gegeben, die im sowjetischen Einflussbereich als Mekka der journalistischen Ausbildung galt und von der man sich auch in Leipzig anfänglich gewinnbringende Impulse versprach.[51]

Die von Norden angestrebte vollständige Abschottung der Fakultät von der Leipziger Universitätsparteileitung zugunsten der von ihm geleiteten Agitationskommission ließ sich weder Mitte der 1950er-Jahre noch zu einem späteren Zeitpunkt durchsetzen. „Bei aller Bedeutung der Fakultät in der Ausbildung von Parteifunktionären bleibt sie eine Fakultät der Karl-Marx-Universität“,[52] urteilte denn auch die Wissenschaftsabteilung des ZK-Sekretärs und „SED-Chefideologen“ Kurt Hager, die damit zugleich wiederholt die Grenzen der Entscheidungskompetenz Nordens deutlich machte. Hager war die von Norden und Budzislawski vorrangig auf die Einübung hoher fachlicher Kenntnisse und Fertigkeiten ausgerichtete Lehr- und Forschungstätigkeit im hohen Maße suspekt.[53] Gleiches gilt für den Leipziger SED-Bezirkschef Paul Fröhlich. Warum ein Journalist befähigt werden sollte, „Argumentation, Sprache und Stil in den verschiedenen Genres meisterhaft zu handhaben“,[54] wollte auch Hans-Joachim Böhme, bis 1966 einer der „Macher“ in der Leipziger Universitätsparteileitung, bevor er für knapp zwei Jahrzehnte in den Ministerialrang des Hoch- und Fachschulwesens der DDR gehievt wurde, nicht einleuchten – besonders dann nicht, wenn zur gleichen Zeit sowohl zum Parteilehrjahr wie zum Marxistischen Kolloquium zeitweise weniger als die Hälfte aller an der Fakultät beschäftigten Wissenschaftler erschienen und auch die Studenten eine Vortragsreihe zur Geschichte der Arbeiterbewegung augenscheinlich desinteressiert verfolgten.[55]

Der Parteisekretär der Karl-Marx-Universität Leipzig Hans-Joachim Böhme. 1959 wurde Böhme von Kurt Hager zum Chef der SED-Leitung an der Universität ernannt und nahm bis 1966 maßgeblich Einfluss auf die Geschehnisse am „Roten Kloster“. Das Foto zeigt Böhme im Oktober 1961 vor den Konferenzteilnehmern eines „Partei-Aktivs“, in der über die Errichtung des „Antifaschistischen Schutzwalls“ debattiert wurde. Quelle: Universitätsarchiv Leipzig (UAL), Bestand Zentrum für Foto und Film, Nr. ZFF 1381, mit freundlicher Genehmigung ©

Ungeachtet der Frage, welchen Anklang die Lehrangebote an der Fakultät für Journalistik tatsächlich fanden, wurden diese von den „aktiven Parteiarbeitern“ in erster Linie danach beurteilt, welchen Beitrag sie zur ideologischen Formierung der Studenten leisteten. Ein Infragestellen von Bestandteilen des marxistisch-leninistischen Gedankengebäudes zugunsten der Einhaltung wissenschaftlicher Standards kam nach Ansicht der orthodoxen Verfechter der Parteilinie einer Verletzung des SED-Statuts und somit der Parteidisziplin gleich, die eigentlich „als unantastbare Grundlage des Parteilebens und des Parteiaufbaus“ zu gelten hatte.[56] „Intellektuelle Anstrengungen des Einzelnen, historische Wahrheit zu ergründen, waren schon im Ansatz verfehlt. […] Der Weg des Parteimitglieds in die Partei war begleitet vom Abtöten der eigenen Subjektivität.“[57]

Zusammen mit der Universitätsparteileitung und den studentischen Parteigruppen formierte sich spätestens Ende der 1950er-Jahre eine regelrechte Kampfgemeinschaft, die die Fraktion Budzislawskis schwächen und letztlich die Umkehrung der in der Fakultäts- und Parteileitung herrschenden Machtverhältnisse herbeiführen wollte. In der Durchführung oder gar Intensivierung der wissenschaftlichen Forschungstätigkeit an der Fakultät, wie sie noch 1959 von Budzislawski vor Hunderten von Mitgliedern der Partei offiziell eingefordert wurde,[58] glaubte Hans-Joachim Böhme in der Parteidienststelle der Universitätsleitung gleichsam den Ursprung allen Übels zu identifizieren.

In Leipzig nahm der Druck auf den „wissenschaftlichen“ Flügel um Budzislawski seit Ende der 1950er-Jahre beständig zu. Darunter litten nicht nur der Dekan, sondern auch die an seinem Institut für Theorie und Praxis der Pressearbeit beschäftigten wissenschaftlichen Angestellten.[59] Von einem konstruktiven Miteinander an der Fakultät konnte bald nicht mehr die Rede sein. Ab April 1962, also in den Wochen, in denen Budzislawski seinen Posten als Dekan aufgab, wurde amtlich, was sich in der Zusammensetzung der Parteiorganisation an der Fakultät schon lange anbahnte: Erstmals legte man schriftlich fest, dass jeder der an der Fakultät beschäftigten Wissenschaftler den SED-Parteigruppen zu unterstehen hatte. Mit der Formulierung: „Die Parteigruppen sind das wichtigste Instrument zur Parteierziehung der Wissenschaftler“, war zugleich die Berichtspflicht darüber inbegriffen, wie und vor allem was es fortan in den Seminargruppen zu unterrichten galt.[60] Noch im Jahr 1966 kritisierte Emil Dusiska, seit 1965 Professor für Theorie und Praxis des sozialistischen Pressewesens, die mangelnde Lehrbefähigung der Fakultätsmitarbeiter und die in den Vorjahren „völlig ungenügende Vermittlung eines geschlossenen marxistischen Geschichtsbildes“.[61] Erst unter seiner Leitung, so ließ der 1967 zum Dekan aufgestiegene Dusiska in seinem Rechenschaftsbericht an das Zentralkomitee 1968 wissen, sei eine Trendwende eingeleitet worden. Und stolz fügte Dusiska hinzu: „Es gibt keine gesellschaftswissenschaftliche Fakultät, an der die Studenten eine so umfangreiche Ausbildung in M/L. [Marxismus-Leninismus, die Verfasser] erhalten.“[62]

Diese Entwicklung zeigt exemplarisch den Erfolg der Parteidogmatiker in den 1960er-Jahren, die sich auf unterschiedlichen Ebenen der DDR-Bürokratie durchsetzten. Dieser „Erfolg“ bedeutete zugleich das institutionelle Scheitern einer auch am Medienkonsumenten orientierten politischen Publizistik. Das ist bemerkenswert, weil in Moskau im gleichen Jahrzehnt ein Institut für empirische Meinungsforschung gegründet wurde.[63] Während die KPdSU nach Stalins Tod eine populäre sowjetische Massenkultur propagierte, die nicht zuletzt auf der Berücksichtigung der Medienkonsumwünsche der Bürger basierte,[64] setzten sich in der DDR die Vertreter eines doktrinär-leninistischen Verlautbarungsjournalismus durch, der entscheidend zur anhaltenden Entfremdung von Partei und Bürgern beitrug.

Der Einfluss der Staatssicherheit

Spätestens seit dem Erscheinen des Buches von Brigitte Klump 1978 galt die Fakultät für Journalistik in der Bundesrepublik als eine Einrichtung, die von Geheimpolizei und Geheimdienst der DDR nicht nur streng überwacht, sondern auch intensiv zur Rekrutierung eigenen Personals genutzt wurde. Man habe es, so Klump, mit einem regelrechten „Ausbildungsinstitut für den Staatssicherheitsdienst“ zu tun.[65] Jeder Student lerne während des Studiums, dass er ohne die „freiwillige“ Mitarbeit für das MfS das Studium nicht erfolgreich abschließen könne. Wer das einmal begriffen und akzeptiert habe, dem stünden anschließend viele Karrieremöglichkeiten in der DDR offen.[66] Nach der Wiedervereinigung äußerten sich ehemalige Mitarbeiter des Staatssicherheitsdienstes ähnlich: Die Hauptverwaltung A, die wichtigste geheimpolizeiliche und nachrichtendienstliche Institution des MfS, habe „grundsätzlich“ alle Studenten an der Fakultät erfasst; auch seien in den Seminargruppen stets Studenten vertreten gewesen, die sich als Inoffizielle Mitarbeiter (IM) hatten anwerben lassen.[67]

Ein genauerer Blick auf die Tätigkeit der Staatssicherheit an der Universität Leipzig im fraglichen Zeitraum lässt eine solche engmaschige Überwachung jedoch zweifelhaft erscheinen. Obwohl die Staatssicherheit seit den 1950er-Jahren eine aktive Rolle an der Fakultät spielte, war ihr konkreter Einfluss weniger umfassend als bislang angenommen. Wie die folgenden Absätze zeigen, war es auch gar nicht erforderlich, alle Studenten „aktiv“ anzugehen. Für den angestrebten Zweck, die zukünftigen Kader auf eine eventuelle reibungslose Zusammenarbeit mit der Staatssicherheit im Berufsleben vorzubereiten, genügte es schon, den Anschein einer totalen Durchdringung der Fakultät zu erwecken. Schaut man allein auf die der Abteilung V[68] zugehörige Diensteinheit, die die gesamte Leipziger Universität zu „sichern“ hatte, wird schnell klar, dass diese weit vom Selbstanspruch einer flächendeckenden Überwachung entfernt war. Soweit aus den für die Monate Dezember 1953 und Januar 1955 erschlossenen „Sachstandsberichten“[69] hervorgeht, kamen für die „Bearbeitung“ der zu überwachenden Fakultät für Journalistik maximal drei Mitarbeiter der Staatssicherheit in Frage. Ihr Aufgabenfeld erstreckte sich auf über hundert weitere Institute, die sich an der Universität auf nicht weniger als zehn Fakultäten verteilten. Selbst wenn man die im Bereich von Verwaltung und Gesundheit beschäftigten Mitarbeiter der Universität außen vor lässt, muss von etwa 10.500 Personen ausgegangen werden, die im Frühjahr 1955 dem Verantwortungsbereich von lediglich drei MfS-Mitarbeitern unterlagen. Wie groß das Netz an Informanten war, findet sich in genannten Berichten ebenfalls vermerkt. Danach soll an der noch jungen Fakultät für Journalistik allein ein „Geheimer Informator“ (GI) eingesetzt worden sein, an den übrigen Einrichtungen fanden sich weitere 21 dieser oder anderer „IM-Typen“ (Müller-Enbergs), allerdings nahm ihre Zahl in den folgenden Jahren rasch zu.[70] Ein weiteres Problem aus Sicht der Staatssicherheit war die mangelhafte fachliche Qualifikation ihrer Mitarbeiter. Die „Verzettelung in der operativen Arbeit“ wie die Unfähigkeit, die geworbenen Kandidaten möglichst effizient für die zu erfüllenden Aufgaben einzuteilen,[71] gehörten noch Jahre später zu den klassischen Problemen, denen die Behörden des MfS durch Weiterqualifizierung ihres Personals zu begegnen versuchten.

Gelang es einem der wenigen IM-führenden Mitarbeiter, einen Studenten für Spitzeltätigkeiten zu gewinnen, so fanden die Absprachen gewöhnlich in zum Teil eigens dafür angemieteten „Konspirativen Wohnungen“, anderen universitären Räumlichkeiten („Treffzimmer“) oder an öffentlichen Orten statt. Besuche im Internat der Fakultät hingegen sollten ausdrücklich vermieden werden,[72] was nicht bedeutet, dass in Fällen, wo ein Absolvent höheren Semesters ohnehin privat wohnte, nicht auch dieser Raum für Absprachen genutzt wurde.[73] Bei einigen Treffen zahlten die MfS-Mitarbeiter dem jeweiligen Studenten eine Anerkennungsprämie für gute Zusammenarbeit; der Standardsatz lag Ende der 1950er-Jahre bei zehn Mark.[74]

Generell ist bemerkenswert, dass sich trotz der in Mitgliederversammlungen, Rektoratssitzungen und anderen formalen Interaktionsverläufen streng beachteten Tabuisierung der Staatssicherheit an der Fakultät niemand überrascht zeigte, wenn sich vor Ort agierende Personen des MfS zu erkennen gaben. Wie sehr die Präsenz der Staatssicherheit schon im letzten Drittel der 1950er-Jahre auch von den Studenten als normal hingenommen wurde, womit immer auch ein gewisses Maß an Entlastung von persönlicher Verantwortung einherging, findet sich in den Akten des Bundesbeauftragten eindrücklich dokumentiert. Dass der Einzelne den Erwartungen des Staatssicherheitsdienstes auf jeden Fall nachkommen musste, trifft jedoch nicht zu. Auch angesichts der verschiedenen, individuell sehr folgenreichen Repressionsmaßnahmen des MfS und den – vermutlich in der Breite noch wirkmächtigeren – verbreiteten Ängsten vor Repression ist nicht automatisch zu schließen, dass es für die Betroffenen keine Handlungsoptionen gab.

Eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit den Diensteinheiten der Staatssicherheit war nicht automatisch Vorbedingung für den Studienerfolg in Leipzig. Auch wer zunächst einer Zusammenarbeit mit der Abteilung V der Leipziger Bezirksdienststelle zugestimmt hatte, sich dann aber deren Wünschen geschickt entzog, konnte nach seinem Studium als Journalist in der DDR tätig sein. Aus Sicht der Staatssicherheit war es nicht entscheidend, ob Studenten an der Fakultät eine IM-Tätigkeit erfolgreich und über einen gewissen Zeitraum hinaus ausführten. Worauf es aus ihrer Sicht ankam, wenn man so will: ihr Kriterium für den Lernerfolg der Studenten, waren zwei Dinge: Erstens musste jeder Absolvent auf direktem oder indirektem Weg von der Aufgabe und Machtfülle der Diensteinheiten des MfS erfahren und zweitens durch sein Verhalten überzeugend zum Ausdruck gebracht haben, dass er diese Rolle des Staatssicherheitsdienstes nicht öffentlich thematisieren würde, sie innerlich aber als Gegebenheit im Sinne einer eingeschliffenen, stillschweigenden Kenntnis der Routineregel akzeptierte.[75]

Interessenkonflikte der Studenten

Wer sich in den 1950er-Jahren für einen Studienplatz im Fach Journalistik interessierte, musste in einem handschriftlichen Lebenslauf die Wahl seines Studienfachs begründen. In den Akten befinden sich zudem sogenannte Beurteilungen einzelner Studenten, verfasst von Mitstudenten, Dozenten, manchmal auch von ehemaligen Lehrern. Diese Dokumente geben Auskunft über Herkunft und Vorerfahrungen der Bewerber, aber auch über die Vorstellungen, die sich die angehenden Journalisten von der Fakultät und von ihrem späteren Berufsfeld machten.

Die im Rahmen dieses Aufsatzes gezogenen Stichproben aus den Anfangsjahren der Fakultät verdeutlichen, dass viele angehende Studenten trotz ihrer Jugend bereits einiges an Lebenserfahrung mitbrachten, was teils dem Krieg und den Wirren der unmittelbaren Nachkriegszeit, teils den jeweiligen Familienverhältnissen geschuldet war. Viele Studenten landeten eher zufällig an der Fakultät und hatten nur vage Vorstellungen von dem, was sie dort erwartete.[76] Sie waren Vertreter einer Nachkriegsjugend, die schon viel erlebt und erlitten hatte und die, von politischen Parolen eher abgestoßen, vor allem aus praktischen Erwägungen handelte. Soziale Not und Zukunftsängste hatten viele geprägt, was vielleicht auch das Bedürfnis nach einer Stabilisierung der neuen Verhältnisse erklärt. Am Aufbau des Sozialismus mitzuwirken, war nicht nur eine angelernte Formel, sondern auch eine naheliegende Antwort auf existenzbedrohende Kindheits- und Jugenderlebnisse.

Das real existierende Journalistik-Studium mit seiner Betonung der Parteidoktrin wird den Vorstellungen dieser jungen Leute zunächst kaum entsprochen haben. Eine im traditionellen Sinne akademische Freiheit im Studium gab es an der Fakultät für Journalistik nicht. Individuellen Gestaltungsspielraum hatten die Studenten nur bei der Wahl einiger weniger Zusatzkurse, Spezialseminare genannt. Die in den Studentenakten enthaltenen Angaben verdeutlichen, dass sich viele Studenten schwer taten, die ideologischen Prämissen ihrer Ausbildung unhinterfragt zu akzeptieren. Da offener Widerspruch nicht geduldet wurde, verstummten viele, wenn es um Politik ging.[77] Andererseits fiel vielen Studenten Distanz zur offiziell gelehrten Ideologie durchaus schwer, nicht zuletzt, weil sie sich der Universität gegenüber nicht undankbar zeigen wollten. Wer in der DDR studieren durfte, zumal an der Fakultät für Journalistik, sollte sich als privilegiert empfinden – und er war es auch, weil er einen der seltenen Plätze in einem beliebten Studiengang erhalten hatte und weil ihm nach Abschluss des Studiums gesicherte und zum Teil sehr attraktive berufliche Positionen winkten.[78] Hinzu kam, dass ein großer Teil der Studenten ein zumindest auskömmliches Grundeinkommen hatte, das regelmäßige Kino- und Theaterbesuche oder kleinere Ausflüge am Wochenende erlaubte, ohne dass ein Zusatzeinkommen nötig gewesen wäre. Mehr als 70 Prozent aller Studenten erhielten Ende der 1960er-Jahre ein Grundstipendium, das sie – gute Ergebnisse oder politisches Engagement vorausgesetzt – zu einem Leistungsstipendium ausbauen konnten.[79]

Als Gegenleistung für diese umfassende Versorgung nahm sich die Fakultät das Recht heraus, über ihre Studenten zu bestimmen. Das Leipziger Journalistikstudium war von Anfang an so organisiert, dass auch das Privatleben der Studenten erfasst und zur Indoktrination genutzt wurde. Dies galt zum einen für die Seminargruppen, in denen gelernt und diskutiert, aber eben auch bewertet und gemaßregelt wurde. Offiziell sprach man an der Fakultät von der „Erziehung der Studenten durch Studenten“,[80] die vor Freundschaften und Liebesbeziehungen nicht Halt machte. Da die Studenten der Fakultät für Journalistik im Internat untergebracht waren und die räumliche Nähe zwischen Universitätsgebäuden und Wohnheimen groß war, setzte sich ihr Freundeskreis beinahe zwangsläufig aus Kommilitonen zusammen; eine Trennung zwischen Ausbildung und Privatleben wurde gezielt erschwert. Dies konnte so weit gehen, dass sich die Staatssicherheit über ihre „Kontaktpersonen“ und Informanten gezielt als Kupplerin betätigte und – je nach Opportunität – Beziehungen zwischen Studenten stiftete oder bestehende hintertrieb.

Durch regelrechten Psychoterror, dessen Urheber die jeweils Betroffenen nur schwer ausmachen konnten, wurden nicht wenige Studenten innerlich gebrochen. Angesichts des immensen Drucks sahen einige von ihnen nur noch im Freitod einen Ausweg. Dies war ein besonders sensibles Thema in der DDR, denn der Akt der Selbsttötung stellte die denkbar radikalste Absage an die Heilsversprechen der sozialistischen Gesellschaft dar.[81] Natürlich kann man nicht davon ausgehen, dass jeder Selbstmord an der Universität politische Gründe hatte, doch fällt auf, dass die SED-Leitung an der Universität in Zeiten allgemeiner Unruhe besonders sensibel auf entsprechende Meldungen reagierte. Ein Zusammenhang zwischen politischer und individueller Situation wurde also zumindest unterstellt. Nähere Angaben über die Zahl der Selbsttötungen an der Fakultät für Journalistik haben sich bislang nicht auffinden lassen. Allerdings berichtet Brigitte Klump von mehreren Selbstmordversuchen – zwei will sie selbst begangen haben – sowie einem vollendeten Suizid.[82]

Dies zeigt einmal mehr, wie stark der Druck empfunden werden konnte, der an der Fakultät planmäßig und von verschiedenen Instanzen ausgeübt wurde. Wer dem Ideal eines sozialistischen Journalisten nicht zu entsprechen schien, hatte zunächst im Kreis seiner Seminargruppe mit intensiven Gesprächen zu rechnen. Studenten, die dennoch weiterhin auffielen, mussten mit ihrer Exmatrikulation oder – in schwerwiegenden Fällen – sogar mit der Relegation, also einem generellen Studienverbot, rechnen. Neben politischen Gründen wurden Zwangsexmatrikulationen auch mit „Studienbummelei“, Disziplinlosigkeiten oder schlechten Leistungen begründet.[83] Die Verurteilung zu langjähriger Zwangsarbeit, wie sie einigen Studenten der Publizistik an der Gesellschaftswissenschaftlichen Fakultät (GeWiFa) zwischen 1947 und 1951 widerfahren war, mussten Studenten der Journalistischen Fakultät jedoch nicht mehr befürchten.[84]

Schlussüberlegungen

Vermutlich absolvierten zwischen 1954 und 1968 knapp 2000 Studenten ihr Direkt- oder Fernstudium an der Fakultät für Journalistik erfolgreich und arbeiteten anschließend überwiegend als Journalisten, Diplomaten oder SED-Kader in wichtigen Positionen.[85] Albert Norden teilte 1964, nur zehn Jahre nach Gründung der Fakultät, mit, dass bereits jeder zweite Chefredakteur oder stellvertretende Chefredakteur der Tages- und Wochenzeitungen seine Ausbildung an der Leipziger Fakultät erhalten habe. Für die in den Redaktionen an anderer Stelle arbeitenden Journalisten träfe Gleiches für über 30 Prozent des Personalstammes in den Massenmedien der DDR zu.[86] Inwieweit diese Journalisten tatsächlich überzeugt daran mitwirkten, „gemeinsam mit den Werktätigen“ den „Aufbau der sozialistischen Gesellschaftsordnung im ersten deutschen Arbeiter- und Bauern-Staat“ voranzubringen, muss weiteren Untersuchungen vorbehalten bleiben.[87]

Dass die Verantwortung für die Journalistenausbildung zunächst Budzislawski übertragen wurde, war praktisch sinnvoll, ideologisch aber umstritten. Obwohl das ideologische Hauptziel konsequent verfolgt wurde, verlief die Ausbildung der angehenden Journalisten alles andere als spannungsfrei. Es kam nicht nur zu Differenzen auf der Leitungsebene der Fakultät – zwischen vergleichsweise liberalen, eher undogmatischen Genossen und orthodoxen Verfechtern der Parteilinie –, sondern es gab auch immer wieder Fälle, in denen Studenten trotz strenger Vorauswahl ein unangepasstes oder offen widerständiges Verhalten zeigten. Dies scheint einerseits eine unmittelbare Folge der Wirkung weltpolitischer Ereignisse wie des Ungarn-Aufstandes oder des Mauerbaus, andererseits die Konsequenz aus einem Dilemma gewesen zu sein; dem Dilemma talentierte und vielfach idealistische junge Menschen intellektuell anzuregen und zugleich politisch „auf Linie“ bringen zu wollen. Der Schriftsteller Reiner Kunze, zwischen 1951 und 1955 Student der Publizistik, anschließend bis 1959 Assistent an der Fakultät für Journalistik, formulierte diese Ambivalenz 1994 so: „Ich habe diese Jahre in Erinnerung als Jahre einer unerträglichen Indoktrination, die ich teilweise weitergegeben habe, teilweise, anfangs [...] als ich unterrichtete. [...] Das ist aber nur die eine Seite, nur der eine Aspekt. Wenn es nur diesen Aspekt gäbe, müsste man sagen, es war eine finstere Zeit. Es gibt aber auch den anderen. Die Indoktrination war dermaßen irr, dass jemand, der auch nur einen Funken von Kreativität besaß, und der der Logik, der menschlichen Logik, nicht völlig abgeschworen hatte, dass der die Widersprüche sehen musste. Dass er anfangen musste sie zu denken. Und so habe ich mich in dieser Zeit auch freigedacht.“[88]

Anmerkungen

  1. Einzige Alternative war entweder eine Ausbildung in den seit Januar 1947 bestehenden Journalistenklassen an der Parteihochschule Karl Marx des ZK der SED oder an der Deutschen Journalistenschule (1966 umgestaltet in die Fachschule für Journalistik), deren Redakteurslehrgänge an der Leipziger Fakultät für Journalistik durchgeführt wurden. Zur Parteihochschule Karl Marx vgl. Thekla Kluttig, Parteischulung und Kaderauslese in der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands 1946-1961, Berlin 1997, S. 191-403. Vgl. außerdem Julia Martin, Der Berufsverband der Journalisten in der DDR (VDJ), in: Jürgen Wilke (Hrsg.), Journalisten und Journalismus in der DDR. Berufsorganisation – Westkorrespondenten – „Der schwarze Kanal“, Köln/Weimar 2007, S. 7-77.
  2. Die Veröffentlichungen stammen überwiegend aus den 1970er- und 80er-Jahren. Vgl. hier vor allem Gudrun Traumann, Journalistik in der DDR. Sozialistische Journalistik und Journalistenausbildung an der Karl-Marx-Universität Leipzig, München 1971; Verena Blaum, Ideologie und Fachkompetenz. Das journalistische Berufsbild in der DDR, Köln 1985; dies., Marxismus-Leninismus. Massenkommunikation und Journalismus. Zum Gegenstand der Journalistikwissenschaft in der DDR, München 1980; Brigitte Klump, Das rote Kloster. Als Zögling in der Kaderschmiede des Stasi, München 1991 (Erstausgabe Hamburg 1978); Xing Hu Kuo, Wodka in Sektgläsern. Cocktail meiner liebenswürdigen Stasi-Damen, Böblingen 1993.
  3. Vgl. vor allem Hermann Budzislawski, Sozialistische Journalistik. Eine wissenschaftliche Einführung, Leipzig 1966; ders., Die erste deutsche Fakultät für Journalistik, in: Journalistisches Handbuch der Deutschen Demokratischen Republik, hrsg. vom Verband der Deutschen Journalisten, Leipzig 1960, S. 78-89.
  4. Vgl. exemplarisch Klaus Höpcke, Lehrer-Persönlichkeiten an der Fakultät für Journalistik, in: Manfred Neuhaus/Helmut Seidel (Hrsg.), Universität im Aufbruch – Leipzig 1945-1956, Leipzig 2002, S. 140-144; Hans Poerschke, Anfänge marxistischer Journalistik – zwischen wissenschaftlichem Anspruch und Parteikonzept, in: ebd., S. 134-139.
  5. Vgl. Michael Meyen/Anke Fiedler, Die Grenze im Kopf. Journalisten in der DDR, Berlin 2011. In dieser Darstellung ist eine ausführliche Aufbereitung des Forschungsstandes zur Geschichte des Journalismus in der DDR enthalten, die viele der bis dato erschienenen autobiografischen Selbstzeugnisse berücksichtigt. Vgl. auch Stefan Zahlmann (Hrsg.), Wie im Westen, nur anders. Medien in der DDR, Berlin 2010; Wilke (Hrsg.), Journalisten und Journalismus; Gunther Holzweißig, Die schärfste Waffe der Partei. Eine Mediengeschichte der DDR, Köln 2002.
  6. Vgl. in diesem Zusammenhang Daniela Münkel, Zwischen „Kaderschmiede“ und Professionalisierung: Rundfunkjournalistenausbildung in der DDR der fünfziger Jahre am Beispiel der Rundfunkschule, in: Jürgen Wilke (Hrsg.), Massenmedien und Zeitgeschichte, Konstanz 1999, S. 188-199; Peter Strunk, Zensur und Zensoren. Medienkontrolle und Propagandapolitik unter sowjetischer Besatzungsherrschaft in Deutschland, Berlin 1996; David Pike, The Politics of Culture in Soviet-Occupied Germany, 1945-1949, Stanford/CA. 1992, S. 91-123.
  7. So Meyen/Fiedler, Die Grenze; dies. (Hrsg.), Fiktionen für das Volk: DDR-Zeitungen als PR-Instrument. Fallstudien zu den Zentralorganen Neues Deutschland, Junge Welt, Neue Zeit und Der Morgen, Berlin 2011.
  8. Grundlegend für den hier verfolgten methodischen Ansatz: Anthony Giddens, Die Konstitution der Gesellschaft. Grundzüge einer Theorie der Strukturierung, Frankfurt a.M./New York 1988, S. 91-159; Thomas Welskopp, Die Dualität von Struktur und Handeln. Anthony Giddens’ Strukturierungstheorie als „praxeologischer“ Ansatz in der Geschichtswissenschaft, in: Andreas Suter/Manfred Hettling (Hrsg.), Struktur und Ereignis (Geschichte und Gesellschaft; Sonderheft 19), Göttingen 2001, S. 99-119.
  9. Beschluss der SED-Parteileitung Karl-Marx-Universität vom 5.12.1961, Sächsisches Staatsarchiv, Staatsarchiv Leipzig (künftig: StA-L), 21132 SED-Kreisleitung Karl-Marx-Universität Leipzig, Nr. IV/4/14/52, Bl. 278.
  10. Wörtliches Zitat nach: „Die neuen Anforderungen des Journalisten und der Weg zu ihrer Qualifikation“ (15.5.1963), Bundesarchiv (künftig: BArch) Berlin, Stiftung Archiv der Parteien und Massenorganisationen der DDR (künftig: SAPMO), DY 30/IV A 2/9.02/107. Hier zeigen sich Traditionslinien zu einem journalistischen Berufsverständnis, wie es schon die sowjetischen Kommunisten in den 1920er-Jahren vertraten. Vgl. Matthew Lenoe, Closer to the Masses. Stalinist Culture, Social Revolution, and Soviet Newspapers, Cambridge/London 2004, S. 103-144.
  11. Schreiben des Stadtdirektors Ott an den Rektor der Universität Leipzig vom 29.3.1946, Universitätsarchiv Leipzig (künftig: UAL), R 65, Bd. 1, Bl. 1.
  12. Antwortschreiben der Universitätsleitung Leipzig an das Nachrichtenamt der Stadt Leipzig vom 11.4.1946, ebd., Bl. 4.
  13. BArch Berlin, SAPMO, DY 30/IV 2/9.03/49, Bl. 210, Bl. 298, Bl. 300-303, Bl. 344 ff. u. Bl. 350; vgl. Kluttig, Parteischulung, S. 257f. u. S. 263f.
  14. Schreiben von Walter Ulbricht an Wilhelm Pieck und Otto Grotewohl vom 7.5.1947, BArch Berlin, SAPMO DY30/IV 2/903/49, Bl. 1.
  15. Zu Hermann Budzislawski (1901-1978) vgl. Daniel Siemens, Elusive Security in the GDR. Remigrants from the West at the Faculty of Journalism in Leipzig, 1945-1961, in: Central Europe 11 (2013), Nr. 1, S. 24-45; Marita Krauss, Hans Habe, Ernst Friedlaender, Hermann Budzislawski – Drei Zonen, drei Städte, drei Schicksale, in: Claus-Dieter Krohn/Axel Schildt (Hrsg.), Zwischen den Stühlen? Remigranten und Remigration in der deutschen Medienöffentlichkeit der Nachkriegszeit, Hamburg 2002, S. 245-266; Toralf Teuber, Ein Stratege im Exil. Hermann Budzislawski und „Die neue Weltbühne“, Frankfurt a.M. 2004; Karin Hartewig, Zurückgekehrt. Die Geschichte der jüdischen Kommunisten in der DDR, Köln u.a. 2000, S. 92ff. u. S. 244ff.; Axel Fair-Schulz, Loyal Subversion: East Germany and its Bildungsbürgerlich Marxist Intellectuals, Berlin 2009, S. 275-334.
  16. Hermann Budzislawski, Memorandum über meine Ausgliederung aus der regulären Arbeit, Akademie der Künste, Berlin (künftig: AdK), Literaturarchiv, Bestand Hermann Budzislawski, Sig. 127/28.
  17. Aktenvermerk des 82. Polizeireviers Leipzig vom 3.4.1951, Archiv des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR (künftig: BStU), MfS, BV Lpz., AIM 263/53 „Garanti“, Bl. 40.
  18. Schreiben des Ministers für Volksbildung der DDR an die Landesregierung Sachsen und den Rektor der Universität Leipzig vom 27.11.1950, UAL, R 65, Bd. 2, Bl. 2.
  19. Aktennotiz der Volkspolizei vom 5.7.1951, BStU, MfS, BV Lpz., AIM 263/53 „Garanti“, Bl. 98.
  20. Minister für Volksbildung, Anweisung Nr. 81 vom 8.1.1951, UAL, R 65, Bd. 2, Bl. 4.
  21. Vorschlag zur Verbesserung der Parteiarbeit am Institut für Publizistik und Zeitungswissenschaft (26.4.1954), StA-L, 21442 SED-Grundorganisation Journalistik, Nr. IV/7/122/19.
  22. Albert Norden (1904-1982) war seit 1920 Mitglied der KPD und im französischen Exil im Herbst 1939 ebenso wie Budzislawski verhaftet worden. Wie dieser lebte er in den frühen 1940er-Jahren in den USA, wo er publizistisch tätig war, unter anderem für den „German American“. Nach Kriegsende siedelte Norden in die SBZ über, wo ihm eine beeindruckende Funktionärskarriere gelang. Angaben nach: Landesarchiv Berlin (künftig: LAB), C Rep. 118-01, Nr. 7684; vgl. auch die Zeitzeugen-Biografie von Norbert Podewin, Der Rabbinersohn im Politbüro. Albert Norden – Stationen eines ungewöhnlichen Lebens, Berlin 22003.
  23. Vgl. Budzislawski, Sozialistische Journalistik, S. 37, S. 46, S. 63, S. 69, S. 109, S. 137, S. 144f., S. 149, S. 153-156, S. 181f. u. S. 188.
  24. Auszug des ZK-Beschlusses vom 7.3.1962, StA-L, Bestand Kaderakten, Nr. 455.
  25. Vorlage der ZK-Abteilung Agitation an das Zentralkomitee der SED vom 5.2.1962, ebd.
  26. Ebd. Der marxistische Philosoph und Literaturwissenschaftler Georg Lukács (1885-1971) war nach der Niederschlagung des Ungarn-Aufstandes 1956 zur persona non grata in der DDR geworden. 1963, nach andauernden innerparteilichen Angriffen, sah sich Hans Mayer (1907-2001), seinerzeit Professor für Literaturwissenschaft in Leipzig, schließlich gezwungen, die DDR zu verlassen. Zu Mayers Leipziger Zeit vgl. Günther Heydemann, Sozialistische Transformation. Die Universität Leipzig vom Ende des Zweiten Weltkrieges bis zum Mauerbau 1945-1961, in: Ulrich von Hehl/Klaus Fitschen/ders. (Hrsg.), Geschichte der Universität Leipzig 1409-2009, Bd. 3: Das zwanzigste Jahrhundert 1909-2009, Leipzig 2010, S. 335-567, hier S. 546-565.
  27. „Beurteilung“ von Wolfgang Rödel durch die SED-Parteileitung der Fakultät für Journalistik vom 25.6.1965, StA-L, Bestand Kaderakten, Nr. 455.
  28. Sie gehörten im weitesten Sinne der „Generation 1929“ an, wie Mary Fulbrook die Alterskohorte derjenigen nennt, die im Nationalsozialismus aufgewachsen waren und sich später in Abgrenzung von diesem besonders eng mit der DDR identifizierten. Vgl. Mary Fulbrook, Dissonant Lives. Generations and Violence through the German Dictatorships, Oxford 2011, S. 330-344.
  29. Klaus Höpcke, am 21.11.1933 in Cuxhaven geboren, studierte von 1951 bis 1955 am Institut für Publizistik und Zeitungswissenschaft beziehungsweise der Fakultät für Journalistik. Von September 1955 bis April 1960 war er am Institut für Theorie und Praxis der Pressearbeit als Assistent und Oberassistent tätig. Seit 1950 Mitglied der Partei gehörte Höpcke seit 1956 der Universitätsparteileitung an, als deren hauptamtlicher stellvertretender Sekretär er von 1960 bis 1962 amtierte. 1962 Wechsel in die Bezirksparteileitung der SED Leipzig, 1964 Ernennung zum Leiter der Kulturredaktion des „Neuen Deutschland“ in Berlin. Angaben in der SED-Kaderakte von Klaus Höpcke, BArch Berlin, SAPMO DC 20/8119, vor allem Bl. 6f. u. Bl. 28f.
  30. Lehrplan von 1954/55, UAL, R 65, Bd. 2, Bl. 48-51.
  31. Verband der Deutschen Journalisten (VDJ) der DDR: Kurze Einschätzung der drei Lehrgänge für Seminarleiter an der Deutschen Journalistenschule im Dezember 1962 und Januar 1963, BArch Berlin, SAPMO DY 10/797, Bl. 88-94, hier Bl. 89.
  32. Vgl. etwa Karl Corino, „Geprüft von der Stasi. Journalisten-Ausbildung in der DDR“, in: Stuttgarter Zeitung vom 28.4.1979, zit. nach BStU, MfS, BV Lpz., Abt. XX 655, Bl. 7-8; Ingolf Kern, Die Sekte, in: Cicero 9 (2009), online unter http://www.cicero.de/berliner-republik/die-sekte/39800.
  33. Informationsbericht der BVfS Leipzig vom 27.12.1956, BStU, MfS, BV Lpz., Leitung, 824 (Bd. 5), Bl. 41-44, hier Bl. 42.
  34. Informationsbericht der BVfS Leipzig vom 5.11.1956, ebd., Leitung 02108, Bl. 130-136, hier Bl. 131.
  35. Schreiben des Prorektors für den wissenschaftlichen Nachwuchs an das Staatssekretariat für das Hoch- und Fachschulwesen vom 30.11.1961, in: UAL, R 123, Bl. 51-54.
  36. Protokoll des Disziplinarausschusses der Karl-Marx-Universität vom 16.9.1961, in: BStU, MfS, BV Lpz., AOP 40/64 (Bd. 1), Bl. 36-38.
  37. Vgl. Sylvia Klötzer, Satire und Macht. Film, Zeitung, Kabarett in der DDR, Köln 2006, S. 121-151, hier S. 131; vgl. auch Ernst Röhl, Der Rat der Spötter. Das Kabarett des Peter Sodann, Köln 2002.
  38. Vgl. Klötzer, Satire und Macht, S. 122-130.
  39. „Zusammenfassung der Diskussion der Mitgliederversammlung der SED-Grundorganisation der Fakultät für Journalistik über die parteifeindliche Gruppierung im ‚Rat der Spötter‘ am 11. September 1961“, StA-L, 21145 SED-Stadtleitung, Nr. 70.
  40. Bezeichnend war etwa der Umstand, dass einem Sekretär der Universitätsparteileitung in einem Schreiben an die SED-Bezirksparteileitung der vielsagende „Fehler“ unterlief, im Zusammenhang mit dem fraglichen Kabarettprogramm nicht von einer feindlichen, sondern einer „friedlichen politischen Linie“, die das Programm verfolge, zu berichten. Schreiben des Sekretärs der Universitätsparteileitung an die SED-Bezirksparteileitung Leipzig vom 7.9.1961, StA-L, 21132 SED-Kreisleitung Karl-Marx-Universität Leipzig, Nr. IV/4/14/046, Bl. 163.
  41. Schreiben des Parteisekretärs Hans-Joachim Böhme an Paul Fröhlich, SED-Bezirksparteileitung Leipzig (17.3.1962), StA-L, 21132 SED-Kreisleitung Karl-Marx-Universität Leipzig, Nr. IV/4/14/046, Bl. 171.
  42. Vgl. Sylvia Klötzer, „Wo der Hund begraben liegt“: Vom Ende des Studentenkabaretts „Rat der Spötter“ 1961/62, in: Potsdamer Bulletin für Zeithistorische Studien Nr. 20-21 (2000), S. 6-18, hier S. 15.
  43. Vorlage der ZK-Abteilung Agitation an das Sekretariat des ZK der SED vom 5.2.1962, StA-L, Bestand Kaderakten, Nr. 455.
  44. Vgl. Andreas Malycha, Die SED. Geschichte ihrer Stalinisierung 1946-1953, Paderborn u.a. 2000; Podewin, Rabbinersohn, S. 190-294.
  45. Rede von Albert Norden auf der Sitzung des Zentralvorstandes des Verbandes der Deutschen Presse vom 26.11.1955, BArch Berlin, SAPMO NY 4217/38, Bl. 172-187; Entwurf zum Referat von Albert Norden mit dem Titel „Die ideologische Waffe der Partei. Presse, Rundfunk und Fernsehen beim umfassenden Aufbau des Sozialismus“ (Dezember 1964), BArch Berlin, SAPMO DY 30/IV A 2/9.02/62.
  46. Aufgaben und Arbeitsweise der Agitationskommission und der Abteilung Agitation (Protokoll Nr. 6/65 des Politbüros vom 9.2.1965), BArch Berlin, SAPMO DY 30/4686, Bl. 33; Hauptnomenklatur des Zentralkomitees (Protokoll Nr. 36/60 des ZK-Sekretariats vom 26.9.1960), ebd., DY 30/J IV 2/3/704, Bl. 118.
  47. Vgl. Jan Palmowski, Regional Identities and the Limits of Democratic Centralism in the GDR, in: Journal of Contemporary History 41 (2006), H. 3, S. 503-526; Heinz Mestrup, Die unterschiedlichen Realitäten im regionalen Herrschaftsalltag der DDR. Das Beispiel der thüringischen Ersten Bezirks- und Kreissekretäre der SED, in: Jens Gieseke/Hermann Wentker (Hrsg.), Die Geschichte der SED. Eine Bestandsaufnahme, Berlin 2011, S. 187-209.
  48. Als ZK-Sekretär für Agitation und Propaganda unterstanden Norden in seiner Dienstzeit von 1955 bis 1967 insgesamt drei Abteilungsleiter: Horst Sindermann (1953-1963), Rudolf Singer (1963-1966) und Werner Lamberz (1966-1971). Die in den 1950er-Jahren nicht enden wollende organisatorische Umstrukturierung der Abteilung fiel also nahezu ausschließlich in die Zeit von Horst Sindermann. Unter ihm wurde die Abteilung erstmals im Januar 1954 von der Abteilung Presse und Rundfunk (zuvor Umbenennung von der Abteilung Presse und Massenagitation zur Abteilung Agitation) neuerlich in die Abteilung Agitation umgestaltet, bevor sie im Frühjahr 1955 zur Abteilung Agitation, Presse und Rundfunk sowie zwischen 1957 bis 1961 in die Abteilung Agitation und Propaganda zusammengelegt wurde. „Von 1961 bis zur Auflösung 1989 gab es dann wieder eine Abteilung Agitation, deren Sektoren und Leitungsstrukturen sich jedoch ständig änderten. Die grundsätzlichen Aufgabenzuweisungen blieben jedoch bis zuletzt erhalten.“ Vgl. Holzweißig, Die schärfste Waffe, S. 12.
  49. Schreiben der Abteilung Agitation und Propaganda des ZK der SED an die Abteilung Wissenschaften vom 31.12.1957, BArch Berlin, SAPMO DY 30/IV 2/9.04/230, Bl. 38; Schreiben von Rudi Singer an die Mitglieder der Agitationskommission vom 11.12.1963, ebd., DY 30/IV A 2/9.02/107; Richtlinie für die Arbeit der Fakultät für Journalistik vom 6.12.1957, in: ebd., DY 30/IV 2/9.04/230, Bl. 22-38.
  50. Entschließung der SED-Kreisleitung Karl-Marx-Universität Leipzig vom 21.10.1955, BArch Berlin, SAPMO DY 30/IV 2/9.04/558, Bl. 363-364.
  51. Schreiben der Moskauer Fakultät für Journalistik an Professor Wilhelm Eildermann vom 10.2.1954, ebd., DY 30/IV 2/9.04/18, Bl. 213-217; Vorlage an das Sekretariat des ZK bezüglich der Entsendung einer Delegation zum Studium der journalistischen Ausbildung in der Sowjetunion (2.4.1957), ebd., DY 30/IV 2/9.02/14, Bl. 111-112; Ansuchen des Politbüros an das ZK der KPdSU (B) um Entsendung eines Professors an das Institut für Publizistik in Leipzig (2.10.1951), ebd., DY 30/ IV 2/2/ 169, Bl. 6.
  52. Stellungnahme der ZK-Abteilung Wissenschaften zur Sekretariatsvorlage der Abteilung Agitation und Propaganda vom 17.10.1958, ebd., DY 30/IV 2/9.04/21, Bl. 74.
  53. Einschätzung des gegenwärtigen Standes der Arbeit der Parteiorganisationen an den Universitäten vom 25.5.1957, BArch Berlin, SAPMO DY 30/IV 2/9.04/56, Bl. 158; Schlussfolgerungen der SED-Parteileitung Karl-Marx-Universität vom 5.12.1961, BStU, MfS, BV Lpz., AOP 40/64 (Bd. 2), Bl. 68-75, insbes. Bl. 71.
  54. Thesen zur III. Pressekonferenz der SED vom 21.3.1959, BArch Berlin, SAPMO DY 30/IV 2/9.02/53b, Bl. 60.
  55. IM-Bericht vom 23.1.1957, BStU, MfS, BV Lpz., AP 3041/64, Bl. 8; Kurzinformation über den Stand der Parteischulung an der Karl-Marx-Universität Leipzig vom April 1963, BArch Berlin, SAPMO DY 30/IV A 2/9.04/408; Informationsbericht der SED-Parteileitung der Fakultät für Journalistik (9.6.1965), in: StA-L, 21442 SED-Grundorganisation Journalistik, Nr. IV/A/7/122/010.
  56. Vgl. Rede von Karl Schirdewan über die „Abänderungen am Statut der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands“, in: Protokoll der Verhandlungen des IV. Parteitages der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (30.3.-6.4.1954: 1.-4.Verhandlungstag), Berlin 1954, S. 904-970, hier S. 905f.
  57. Bernd Florath, Die Partei, in: Martin Sabrow (Hrsg.), Erinnerungsorte der DDR, München 2009, S. 77-87, hier S. 83 u. S. 85; Berthold Unfried, „Ich bekenne“. Katholische Beichte und sowjetische Selbstkritik, Frankfurt a.M. 2006.
  58. Rede von Hermann Budzislawski auf der III. Pressekonferenz des Zentralkomitees der SED in Leipzig (17./18.4.1959), BArch Berlin, SAPMO DY 30/IV 2/9.04/555, Bl. 280-288, insbes. Bl. 287.
  59. Aktennotiz vom 12.9.1961, BArch Berlin, SAPMO DY 30/IV 2/9.04/558, Bl. 233.
  60. Entschließung der SED-Parteiorganisation der Fakultät für Journalistik vom 16./17.4.1962, StA-L, 21442 SED-Grundorganisation Journalistik, Nr. IV/7/122/03.
  61. Bericht von Emil Dusiska über die Arbeit des Instituts für Theorie und Praxis der Pressearbeit (19.4.1966), ebd., Bl. 11-30.
  62. Rechenschaftsbericht vom Dekan Emil Dusiska über die Fakultät für Journalistik (7.12.1968), BArch Berlin, SAPMO DY 30/IV 2/2.106/5, Bl. 233 u. 235-236.
  63. Vgl. Paul Roth, Sow-Inform. Nachrichtenwesen und Informationspolitik der Sowjetunion, Düsseldorf 1980, S. 200; René Ahlberg, Theorie der öffentlichen Meinung und empirische Meinungsforschung in der UdSSR, in: Osteuropa 19 (1969), H. 3, S. 161-172, hier S. 168-172.
  64. Vgl. Kristin Roth-Ey, Moscow Prime Time: How the Soviet Union Built the Media Empire that Lost the Cultural Cold War, Ithaca 2011.
  65. Klump, Das rote Kloster, S. 223.
  66. Vgl. ebd., S. 252, S. 256 u. S. 273f.
  67. Dieser Themenkomplex ist bislang noch nicht hinreichend aufgearbeitet worden. Vgl. bislang Steffen Reichert, Transformationsprozesse. Der Umbau der LVZ, Münster 2002, S. 50; Frank Nordhausen, Seminargruppe 606, in: Berliner Zeitung vom 13.2.2002.
  68. Die Mitarbeiter der Linie V bildeten den „Kernbereich des Systems der politischen Repression und Überwachung des Ministeriums für Staatssicherheit. In Struktur und Tätigkeit passte sich die Abteilung mehrfach an die sich wandelnden Bedingungen der Herrschaftssicherung an.“ 1964 erfolgte ihre letztmalige Umbenennung in die Hauptabteilung XX. Vgl. grundlegend Thomas Auerbach u.a., Hauptabteilung XX: Staatsapparat, Blockparteien, Kirchen, Kultur, „politischer Untergrund“, Berlin 2008, Zitat S. 3.
  69. Die im Folgenden gemachten Angaben beziehen sich auf die Tätigkeitsberichte der Abteilung V/4 der BVfS Leipzig vom 11.12.1953, BStU, MfS, BV Lpz., Leitung 180, Bl. 82-83 u. Bl. 98-99, und den Tätigkeitsbericht der Abteilung V/1 der BVfS Leipzig vom 18.1.1955, BStU, MfS, BV Lpz., Leitung 183/03, Bl. 1-9.
  70. Bericht zur Überprüfung der Abteilungen II, III, V und VII sowie der Kreisdienststellen Torgau und Altenburg der BVfS Leipzig (4.1.-14.1.1955), BStU, MfS, BV Lpz., Leitung 924, Bl. 3.
  71. Bericht zur Überprüfung der Abteilungen II, III, V und VII sowie der Kreisdienststellen Torgau und Altenburg der BVfS Leipzig (4.1.–14.1.1955), BStU, MfS, BV Lpz., Leitung 924, Bl. 69; Beurteilung des MfS-Mitarbeiters Klaus W., BStU, MfS, ZA 11569, Bl. 5.
  72. Aktennotiz der Abteilung V/1 betreffend des IM „Taucher“, BStU, MfS, BV Lpz., AGI 321/56, Bl. 79.
  73. Bericht der Abteilung V/1 betreffend der Aussprache mit dem Assistenten der Fakultät für Journalistik A. (21.3.1957), BStU, MfS, BV Lpz., AP 3799, Bl. 57.
  74. Treffbericht vom 21.10.1957 mit IM „Karlus“, BStU, MfS, BV Leipzig, AP 3799, Bl. 83.
  75. Vgl. Welskopp, Dualität, S. 106f.
  76. Damit deckt sich dieser Befund mit den von Meyen/Fiedler, Die Grenze, S. 345-351, angeführten Charakteristiken zu der in der Darstellung stark gemachten „Aufbaugeneration“. Wer sich hingegen ab „Mitte der 1950er Jahre (und erst recht dann später) entschied, in der DDR Journalist zu werden“, so heben die Verfasser hervor, habe „im Gegensatz zur Aufbaugeneration“ recht genau gewusst, worauf er/sie sich einließ“ (S. 351).
  77. Schreiben des Sektor Presse an Rudolf Singer betreffend der Wahlversammlung an der Fakultät für Journalistik, BArch Berlin, SAPMO DY 30/IV A 2/9.02/63.
  78. „Konzeption für die Durchführung der Zulassungsarbeit im Direktstudium in den Fachrichtungen mit schwieriger Bewerbersituation“ (9.5.1961), BArch Berlin, SAPMO DY 30/IV 2/5/933, Bl. 86-91, hier Bl. 86.
  79. Vgl. Zentralinstitut für Jugendforschung (Hrsg.), Student 69, Leipzig 1969, S. 200f. u. S. 217f., in: UAL, R 117, Bd. 5.
  80. Emil Dusiska, Bericht über die Arbeit des Instituts für Theorie und Praxis der Pressearbeit vom 19.4.1966, BArch Berlin, DY30/IV A 2/2.028/61, Bl. 11-30, hier Bl. 29.
  81. Zum Themenkomplex insgesamt vgl. Udo Grashoff, „In einem Anfall von Depression ...“. Selbsttötungen in der DDR, Berlin 2006.
  82. Vgl. Klump, Das rote Kloster, S. 253, S. 268f. u. S. 287. 
  83. Schreiben des Prorektors Gertler an den Rektor der Karl-Marx-Universität, Hans Mayer, vom 29.4.1958, UAL, Bestand J 21, Bd. 12, Bl. 32.
  84. Vgl. hierzu die maßgeblich vom Universitätsarchiv Leipzig vorangetriebenen Bemühungen um die Aufdeckung von Schicksalen verfolgter Studenten und Akademiker bei Jens Blecher, „ab… nach Sibirien“: Einschüchterungspolitik und Meinungsbildung durch Terror an der Universität Leipzig zwischen 1945 und 1955, in: ders./Gerald Wiemers (Hrsg.), Studentischer Widerstand an den mitteldeutschen Universitäten 1945 bis 1955. Von der Universität in den GULAG. Studentenschicksale in sowjetischen Straflagern 1945 bis 1955, Leipzig 2005, S. 42-57.
  85. Genaue Absolventenzahlen für den genannten Zeitraum liegen nicht vor, allerdings nannte der Verband der Deutschen Journalisten der DDR 1963 die Zahl von bislang 1200 Absolventen, die eine entsprechende Hochrechnung bis 1968 plausibel erscheinen lässt. Verband der Deutschen Journalisten in der Deutschen Demokratischen Republik, Informationsmaterial über die journalistische Ausbildung in der DDR (Stand 1.7.1963), BArch Berlin, SAPMO, DR 3, 1. Schicht/1876.
  86. Albert Norden, Entwurf zum Referat „Die ideologische Waffe der Partei. Presse, Rundfunk und Fernsehen beim umfassenden Aufbau des Sozialismus“ anlässlich der 4. Journalistenkonferenz am 11.12. und 12.12.1964, BArch/B, NY 4217, Bd. 59, Bl. 178-222.
  87. Die zitierten Formulierungen sind der Broschüre „Grundsätze für die journalistische Ausbildung durch den Verband der Deutschen Presse in der Deutschen Demokratischen Republik“ entnommen, BArch Berlin, SAPMO, DR 3, 1. Schicht/1876.
  88. Reiner Kunze im Film „Der Schriftsteller Reiner Kunze. Ein Porträt von Siegrid Esslinger“, BR 1994. Für die Möglichkeit zur Einsichtnahme danken wir Christoph Studt, Bonn.
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