Last visited:
Kader - Kaderakte - Kaderschmiede - Kaderleitung
Created by Karsten on 26 June 2013, at 14:22

From DDR-Presse: Beitraege und Materialien

Jump to: navigation, search

Kader - Kaderakte - Kaderschmiede - Kaderleitung

Der ursprünglich aus dem militärischen Sprachgebrauch kommende Begriff Kader – für militärische Vorgesetzte – hatte seine ganz spezifische Bedeutung in der DDR und auch in den übrigen sozialistischen Staaten. Aus der Revolutions- und Staatstheorie Lenins abgeleitet, wurden zunächst die Führungskräfte der kommunistischen Partei oder die Leitungspositionen in den sozialistischen Massenorganisationen als Kader bezeichnet. Die SED übernahm diesen Begriff und erweiterte ihn in dem Sinne, dass ein Kader eine überdurchschnittlich befähigte Person sein musste, die darüber hinaus eine tadellose marxistisch-leninistische Einstellung aufzuweisen hatte. Im Laufe der Zeit wurde der Begriff aber auch immer häufiger für normales Personal verwendet, die in sozialistischen Betrieben und staatlichen Institutionen arbeiteten. Bald gab es für jedes Fachgebiet entsprechende Kader. Vom Parteikader über den Reisekader bis hin zum Wirtschaftskader wurden alle gesellschaftlichen Bereiche entsprechend erfasst.

Jeder Kader verfügte über eine Kaderakte, die beim Arbeitsplatzwechsel eine große Rolle spielte und entsprechend weitergereicht wurde. Allerdings betrafen die Inhalte der Kaderakte nicht nur berufliche Dinge, sondern auch das Privatleben Sie war damit nur bedingt vergleichbar mit einer gewöhnlichen Personalakte. Die Befolgung sozialistischer Wertmaßstäbe in allen Bereichen – es gab keine Trennung des Privaten vom Beruflichen – wurde hier genau dokumentiert. Das betraf sowohl Belobigungen als auch Verfehlungen. Der perfekte Kader vereinigte persönliche herausragende Fähigkeiten mit dem ehrlichen und überzeugten Bekenntnis zum sozialistischen Staat. Um derart qualifiziertes Personal zu erhalten, begann die SED schon frühzeitig, auf junge Menschen Einfluss zu nehmen. In den soge-nannten Kaderschmieden wurden die künftigen Kader ausgebildet und erprobt: In der FDJ, vor allem in den von der Jugendorganisation organisierten Jugendprojekten, und den Parteihochschulen erhielten die Kandidaten den ideologischen Feinschliff.

In den Betrieben, Parteien und Massenorganisationen übernahmen die Kaderabteilungen die politische Weiterbildung der Mitarbeiter. Ähnlich einer Personalabteilung wurden hier alle wichtigen Entscheidungen bezüglich Einstellung, Entlassung und Qualifizierung getroffen. Sowohl die Kaderleitung als auch alle übrigen Personen der Kaderabteilungen mussten Mitglieder der SED sein und wurden zuvor vom MfS überprüft. In der Regel bestand der Kontakt zur Staatssicherheit darüber hinaus auch weiterhin.
This page was last modified on 23 January 2014, at 16:03.This page has been accessed 3,124 times.