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Berichterstattung nach den Biermann-Affaeren Version 1.0 Anke Fiedler
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From DDR-Presse: Beitraege und Materialien

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Hauptfoto: File:Biermann-Konzert Leipzig 1989.jpg
Biermann-Konzert im Dezember 1989 in Leipzig. Foto: Waltraud Grubitzsch.
„Wolf Biermann ist ein Feind der Republik!“ Die Berichterstattung der DDR-Tagespresse nach den Biermann-Affären 1965 und 1976
von: Anke Fiedler, Michael Meyen veröffentlicht: 08.02.2012
Am 16. November 1976 lief in den Redaktionen der DDR-Medien eine Meldung der Nachrichtenagentur ADN über den Ticker, die eine Zäsur in der Geschichte des Landes markierte. Dem Liedermacher Wolf Biermann wurde nach einem Konzert in Westdeutschland „das Recht auf weiteren Aufenthalt in der Deutschen Demokratischen Republik entzogen." Der Grund: sein „feindseliges" Auftreten gegenüber der DDR.[1] Bereits 1965 hatte man gegen den Künstler im Zuge des 11. ZK-Plenums ein Auftrittsverbot in der DDR verhängt, nachdem er kurz zuvor seine Textsammlung „Die Drahtharfe" in der BRD herausgegeben hatte und damit nicht nur „gegen die politische Linie" verstieß, „sondern auch gegen die traditionellen ästhetischen Vorstellungen der Machthaber."[2] Als Biermann 1976 bei einem Konzert in Köln die politischen Verhältnisse in der DDR anprangerte, nahm die SED dies zum Anlass, sich endlich von dem singenden Querulanten zu befreien. Kultur- und medienpolitische Konsequenzen folgten prompt. Das Jahr 1976 war laut Irmtraud Gutschke, Literaturredakteurin des „Neuen Deutschland" (ND), „ein totaler Schock": „Man wusste, dass wieder eine Eiszeit anfängt."[3]

Schweizer geht davon aus, dass die DDR-Führung die beiden Affären 1965 und 1976 vor allem dazu nutzte, mithilfe der leichter zu kontrollierenden Tagespresse der Kunstszene in der DDR ihre Grenzen aufzuzeigen. Kunst wurde von den Parteioberen immer wieder als Bedrohung erlebt, „weil Romane, Gemälde und Musik der Presse, dem Hörfunk und dem Fernsehen (der politisch inszenierten Öffentlichkeit) die Deutungshoheit streitig machen können."[4] Eine qualitative Inhaltsanalyse von vier DDR-Zentralorganen stütze diese Vermutung. Unklar ist allerdings nach wie vor, wie die SED ihre Argumente verpackte, um die Maßnahmen gegen Biermann öffentlich in den Zeitungen zu legitimieren – auch und gerade wegen des hohen innenpolitischen Drucks. Welche Argumente brachte man konkret gegen den Liedermacher vor? Wie wurde argumentiert? Hierzu wird die Berichterstattung der beiden größten Tageszeitungen „Neues Deutschland" und „Junge Welt" (JW) aus den Jahren 1965 und 1976 mit den Kategorien „Öffentlichkeit" und „Konsens" untersucht, die in den ersten Abschnitten dieses Beitrags erläutert werden. Es ist anzunehmen, dass die Herrschenden in den Öffentlichkeiten, die sie kontrollieren konnten (wie etwa die Tagespresse), die unpopuläre Maßnahme gegen den Liedermacher mit Themen verknüpften, über die in der DDR stillschweigender Konsens herrschte, wie etwa das Recht auf einen Arbeitsplatz, soziale Wärme oder die Dauerthemen Frieden und Antifaschismus. Mit dieser „ritualisierten" Kommunikationsstrategie wollte die SED-Führung nicht nur Zustimmung in der Bevölkerung generieren, sondern auch eigene Verfehlungen verschleiern.[5] Die einschlägigen Zeitungsartikel zum Fall Biermann werden dazu mit einer qualitativen Inhaltsanalyse ausgewertet, die in einem eigenen Abschnitt vorgestellt wird. Die letzten beiden Kapitel präsentieren die wichtigsten Ergebnisse vor dem theoretischen Hintergrund des Öffentlichkeits- und Konsenskonzeptes.

Kunstszene und Öffentlichkeit in der DDR

Warum war der SED-Führung so sehr daran gelegen, das DDR-Künstlermilieu in seine Schranken zu weisen? Konnte ein einzelner Liedermacher wie Wolf Biermann tatsächlich den öffentlichen Diskurs beeinflussen und so zu einer realistischen Gefahr für die DDR-Führung werden? Gerhards und Neidhardt unterscheiden in ihrem Arena-Modell drei Öffentlichkeitsebenen: kleine Öffentlichkeiten (sogenannte „Encounter"), öffentliche Veranstaltungen und die Ebene der Massenmedien. Kunst ist einer Zwischenebene angesiedelt. Die kleinen Öffentlichkeiten kennzeichnen sich dadurch, dass Menschen „heterogener Herkünfte mehr oder weniger zufällig aufeinander treffen und miteinander kommunizieren."[6] Dadurch wechseln auch die Themen ständig. Ein Beispiel wären „etwa Museumsbesucher, die vor einem Gemälde stehen und darüber sprechen."[7] Encounter sind „zerbrechlich" und relativ strukturlos, dennoch kann bereits ein „Rumoren auf dieser Ebene ein erstes Anzeichen eines dann auf höhere Ebenen übergreifenden Umgestaltungsprozesses"[8] sein.

Auf dieser nächstgelegenen Stufe finden sich öffentliche Veranstaltungen. Diese sind bereits wesentlich strukturierter, da sie neben einem Veranstaltungsort auch einen festen Termin und Organisator erfordern. Hier kann das Publikum durch „Schweigen, Beifall, Pfeifen, Raunen" oder ein frühzeitiges Verlassen des Saales Zustimmung oder Missfallen signalisieren. Die Versammlungs- bzw. Veranstaltungsöffentlichkeit spielt „im konventionellen Politikbetrieb moderner Demokratien zwar nur eine mäßige Rolle", für „nichtetablierte Öffentlichkeitsakteure, denen der Zugang zu den Massenmedien nicht oder noch nicht gelungen" ist, haben diese durchaus eine große Bedeutung – „zum Beispiel für Protestbewegungen, die mit solchen Veranstaltungen die Resonanz und eine Mobilisierung von Publikum anstreben."[9] Wolf Biermann durfte seit dem 11. ZK-Plenum nicht mehr auftreten – womit schon eine der Möglichkeiten genannt wäre, Kunstöffentlichkeit in der DDR zu reglementieren.

Etwas anders sieht es auf der Ebene der Massenmedien aus, wo das Publikum abstrakter ist (keine „Präsenzöffentlichkeit") und dadurch die Handlungsmöglichkeiten reduzierter sind. Die auf den anderen beiden Ebenen der Öffentlichkeit zur Sprache gebrachten Themen und Meinungen „erreichen erst eine allgemeine Wahrnehmung, wenn sie von den Massenmedien aufgegriffen, berichtet und verstärkt werden."[10] Presse, Hörfunk und Fernsehen waren in der DDR Teil der „politisch inszenierten Öffentlichkeit." Nichts wurde hier veröffentlicht, was nicht auch im Sinne der Partei war, da die Fäden der Medienanleitung im Politbüro zusammenliefen. Aufgrund des Empfangs von westdeutschen Fernseh- und Radioprogrammen in weiten Teilen der DDR war von einem Informationsmonopol allerdings keine Rede. Da zumindest die renommierten Künstler über diverse Privilegien verfügten und als „Preis der inhaltlichen Bevormundung"[11] in den Westen reisen durften, konnten Schriftsteller ihre im Osten verschmähten Bücher auch in westdeutschen Verlagen veröffentlichen. Musiker hatten wie im Fall Biermann die Möglichkeit, im Westen Konzerte zu geben, die über den Umweg der BRD-Medien das ostdeutsche Publikum erreichen konnten. Und genau hier sah die DDR-Führung Handlungsbedarf. Kunstwerke ohne massenmediale Unterstützung erreichen „normalerweise viel weniger Menschen und brauchen sehr viel länger, bis man sich bei Gesprächen sicher auf sie beziehen kann."[12]

Die Kultur- und Medienpolitik im Umfeld der Biermann-Affären

Kunst übernahm in der DDR eine „Erziehungsaufgabe" und sollte die sozialistische Ideologie transportieren. Zwar versuchte die SED-Führung auch im kulturellen Bereich Kontrolle auszuüben[13], allerdings war ihr Einfluss viel geringer, da Kunst immer auch eine Frage der Interpretation ist und gewisse Freiräume braucht, um überhaupt wahrgenommen zu werden.[14] Der Schriftsteller Peter Hacks, ein erklärter Biermann-Gegner, brachte das so auf den Punkt: „Alle Künstler haben ein Auge für Kunst, keiner ein Ohr für Vorhaltungen."[15] Zu viel Freiheit erweckte aber die Befürchtung, „dass Künstler über die Grenzen hinausgingen und den Aufbau gefährdeten."[16] Kunstprodukte konnten der führenden Partei ihre Deutungshoheit streitig machen – Grund genug für die SED, das Künstlervolk immer wieder an das Limit zu erinnern.

Das 11. Plenum des ZK der SED vom 16. bis 18. Dezember 1965, das als „Kahlschlag-Plenum" in die Geschichte einging, war zwar nicht der erste, aber mit Sicherheit „der rigoroseste und folgenreichste Eingriff der SED-Führung in Kunstprozesse und Intellektuellendebatten."[17] Zwölf DEFA-Filme wurden verboten. Auch Literatur, Dramatik und bildende Kunst beschnitt man in ihren Freiheiten. Der Konflikt zwischen Wolf Biermann und dem Zentralkomitee eskalierte und führte zum Berufs- und Auftrittsverbot des Künstlers. Die Medien zogen am selben Strang. Insbesondere das „Neue Deutschland" und die „Junge Welt" definierten 1965/66 laut Schweizer, „was sozialistische Kunst ist und welche Grenzen Künstler zu beachten haben."[18] Interner Widerspruch wurde nicht geduldet, wie das Beispiel Leonore Krenzlin zeigt. Die ND-Kulturredakteurin wurde entlassen und mit einem Arbeitsverbot sanktioniert, weil sie sich gegen die Linie des ZK-Plenums ausgesprochen hatte.[19] Da half auch nicht, dass die ND-Redaktion nach der öffentlichen Diskreditierung von Wolf Biermann mit Leserbriefen überschüttet wurde (u.a. von dem Schriftsteller Günter Kunert und dem Bildhauer Fritz Cremer).[20]

Mit dem Amtsantritt Erich Honeckers im Mai 1971 setzte kurzzeitig eine Tauwetter-Periode ein. Schon nach zwei Jahren kehrte man jedoch zu den alten kulturpolitischen Maximen zurück, die schließlich mit der Ausbürgerung Biermanns im Jahr 1976 ihren Höhepunkt erreichten. Durch die Ausweisung statuierte die SED ein Exempel und machte deutlich, „was passiert, wenn Künstler die Grenzen verletzen." Da niemand vergessen hatte, wie noch ein paar Jahre zuvor argumentiert worden war, und da sich die DDR durch die Unterzeichnung der KSZE-Schlussakte 1975 „keine neue Schmutz-Kampagne leisten konnte und wollte", wurde in der DDR-Presse „viel weniger und deutlich sachlicher berichtet als bei der ersten Biermann-Affäre, obwohl das Fehlverhalten des Dichters damals vergleichsweise eine Bagatelle war."[21] Überlieferte Akten aus dem Zentralkomitee zeigen, dass die SED-Führung seit 1971 fünf Versuche unternommen hatte, den Liedermacher aus dem Land zu werfen. Dass Biermann damals nicht ausgebürgert wurde, lag „auch daran, dass das Ansehen der DDR im Ausland" zu jenem Zeitpunkt „schweren Schaden genommen hätte". 1976 war man hingegen der Meinung, „das Risiko der Ausbürgerung besser kalkulieren zu können."[22]

Wenn man dem Schriftsteller Hermann Kant glauben darf, war Werner Lamberz, der für die Medienanleitung zuständige ZK-Sekretär für Agitation, ursprünglich gegen die Ausweisung Biermanns. Die Angst um die gemeinsame Sache war am Ende dennoch größer. Lamberz habe „die sehr nachvollziehbare Haltung" gehabt: „Nun darf über dieser Scheiße nicht der ganze Laden kaputtgehen."[23] Dies ist nur vor dem politischen Hintergrund der 1970er Jahre zu verstehen. Erst 1973 war die DDR Mitglied der Vereinten Nationen geworden. Es folgte eine Anerkennungswelle in der Welt. Die SED wollte sich diese „Erfolgsstory" nicht durch einen Künstler verderben lassen, „[who] was one of the first of the East German writers to openly criticize and question the legitimacy of the East German regime."[24] Kant erinnerte sich: „Ich höre noch, wie Joachim Herrmann, der ab 1978 für Agitation zuständige Sekretär des ZK, zu mir sagte: Nie vergessen, die Parteilinie bestimmen immer noch wir."[25]

In der Literatur herrscht Einvernehmen, dass die Ausbürgerung „ein politischer Paukenschlag"[26] gewesen ist. Zwölf für die DDR-Literatur „im In- und Ausland repräsentative Schriftsteller"[27] (unter anderem Stephan Hermlin, Christa Wolf, Volker Braun und Heiner Müller) solidarisierten sich schon am Tag nach dem Beschluss der Ausbürgerung mit dem Liedermacher und forderten in einer gemeinsam veröffentlichten Petition die DDR-Führung dazu auf, den Schritt nochmals zu überdenken. Dutzende weitere Künstler schlossen sich in den folgenden Tagen an. „Den Zugang zur offiziellen Öffentlichkeit" erzwangen sich die Unterzeichner, indem sie die Petition nicht nur an die ND-Redaktion, sondern auch an die Nachrichtenagentur „Agence France Press" schickten. In kürzester Zeit schwappte die Meldung nach Westdeutschland. Durch das Einschalten der Medien des „‚Gegners' wurde auf dessen Reaktion spekuliert, da sie zugleich die Verbreitung der zugrunde liegenden Information im eigenen Land gewährleisten mußte."[28] Dieser Umstand erschwerte den Umgang mit der DDR-Kunstszene zusätzlich. Aus Sicht der SED-Führung sollten möglichst keine negativen Meldungen in die Öffentlichkeit gelangen, die im Westen Staub aufwirbeln konnten.[29]

Konsens und Öffentlichkeit in der DDR

Habermas hat in seiner diskursiv-republikanischen Vorstellung von Öffentlichkeit dem Konsens eine zentrale Rolle zugewiesen. Am Ende der Diskussion einer „autochthonen Öffentlichkeit" stehe „ein diskursiv geprüfter Konsens, zumindest eine diskursive abgeschliffene Mehrheitsmeinung."[30] Dem stehen liberale Öffentlichkeitsmodelle entgegen, deren Ansprüche an Öffentlichkeit im Vergleich zu Habermas „eher bescheiden wirken." Ein Konsens ist hier in Anbetracht der Pluralität von Einzelinteressen „gerade unter Bedingungen differenzierter Gesellschaften nicht wahrscheinlich und kann für sich auch keine besondere Legitimation reklamieren."[31] Anders in der DDR – was hier Konsens war (oder sein sollte), wurde von „oben" ausgegeben. Laut von Saldern sollten in der DDR „inszenierte Öffentlichkeiten Konsens repräsentieren bzw. produzieren". Diese Art von Konsenserzeugung spiele „in Diktaturen eine größere Rolle […] als in Demokratien, weil in Diktaturen die Möglichkeit der Konsensbildung durch relativ freie Meinungs- und Kompromissbildung fehlt."[32]

Das soll nicht heißen, dass über ein bestimmtes Thema nur von Seiten der Machthaber in der DDR Konsens bestand, der von einem Volk von Ja-Sagern widerstandlos hingenommen wurde – wie zum Beispiel im Fall von inszenierten Wahlen, sorgfältig gesteuerten öffentlichen Debatten, Manifestationen und Festivals. Die Liste des „constant producing and reaffirming of consensus between rulers and ruled" [33] ließe sich weiter fortsetzen. Es gab aber auch Bereiche, bei denen auf beiden Seiten Konsens herrschte, ohne dass die Prinzipien nochmals neu ausgehandelt werden mussten. Lindenberger fasste diese unter dem Begriff „tacit consensus" [34] zusammen, die im Folgenden knapp erläutert werden sollen:

  • Frieden/Antifaschismus: Die DDR proklamierte für sich den Titel „erster deutscher Friedensstaat". Eng damit verknüpft war auch die stete Betonung des Antifaschismus.
  • Wohlstand: „So wie wir heute arbeiten, werden wir morgen leben" hieß eine der Losungen zu Aufbau und wirtschaftlicher Erfüllung der Pläne, die als Garant für kollektiven Wohlstand in einer klassenlosen Gesellschaft galten.
  • Arbeit und Arbeitsplatz: Die Sicherheit des Arbeitsplatzes und gemeinschaftliche Arbeit in Form von Kollektiven und Brigaden wurden dem kapitalistischen Modell gegenüber gestellt, das Arbeitslosigkeit, Karrieristen und Asoziale hervorrufe.
  • Individuelle Sicherheit: Durch die genannten Prinzipien sah man die Sicherheit des Einzelnen verwirklicht: Frieden, Kollektivität und Arbeit sollten „soziale Wärme" und Geborgenheit in der Gesellschaft spenden. Hierzu zählte auch Solidarität mit Benachteiligten.
  • Familie: Zwei Kinder, eine günstige Neubauwohnung und eventuell einer Datsche – dies waren die Symbole der Privatheit des DDR-Durchschnittsbürgers.
  • Frauen/Gleichberechtigung: Ein Arbeitsplatz im Betrieb und kostenlose Kinderkrippenplätze waren das Sinnbild für weibliche Emanzipation und Selbstverwirklichung.

Die SED-Führung wusste um die positive Resonanz in der Bevölkerung gegenüber diesen Themen. Untersuchungen des Instituts für Meinungsforschung[35] zeigten beispielsweise, dass sich in den 1960er- und 1970er-Jahren eine überwältigende Mehrheit der DDR-Bürger gegen eine Verjährungsfrist für Verbrechen des Faschismus aussprach und Tugenden der Arbeit wie Fleiß, Disziplin und Gewissenhaftigkeit befürwortete. Sowohl die Berufstätigkeit von Frauen als auch egalitäres Denken und Verhalten im Kollektiv fanden mehrheitlich Unterstützung[36]. Am Beispiel der beiden Biermann-Affären wird im Folgenden die These vertreten, dass in der politisch inszenierten Öffentlichkeit der Massenmedien unpopuläre Maßnahmen von der SED-Führung ganz gezielt mit „tacit consensus"-Themen verknüpft wurden. Diese Strategie sollte die Kunstszene von der Richtigkeit der Maßnahmen überzeugen sowie Agitatoren mit Argumenten versorgen – und folgte letztendlich dem Ziel, das negative Meinungsklima in der Bevölkerung zu kippen und allgemeine Zustimmung zu generieren.

Untersuchungsdesign und Materialbasis

Die Beantwortung der Frage, wie die DDR-Führung auf Biermann in der „politisch inszenierten Öffentlichkeit" reagierte, wird von zwei Seiten angegangen. Zum einen wurden die beiden auflagenstärksten Zentralorgane der DDR, das „Neue Deutschland" und die „Junge Welt", aus den Jahren 1965 und 1976 nach Artikeln über Wolf Biermann durchsucht. Ausgangspunkt war dabei im Falle des 11. ZK-Plenums die Vorberichterstattung ab dem 30. November 1965, bei der Biermann-Ausbürgerung der 16. November 1976. In die Analyse gingen alle Artikel ein, die ab dem jeweiligen Datum in den darauffolgenden drei Wochen erschienen sind. Weitere Zeitungen in die Untersuchung miteinzubeziehen, schien wenig zielführend. Schweizer fand heraus, dass vor allem ND und JW die Grenzen der Kunst definierten. „Der Morgen", das Zentralorgan der LDPD, und die „Neue Zeit", das CDU-Zentralorgan, druckten lediglich weisungsgemäß die Hauptartikel zu Biermann ab. Neben den Zeitungsartikeln wurden überlieferte Dokumente des SED-Zentralkomitees sowie Materialien aus dem Privatbesitz von Künstlern, die größtenteils in Dokumentationen zum Thema Biermann erschienen sind, nach Hinweisen auf Argumentationen und Konzeptionen für die Medien in der DDR gesichtet.

Um herauszufinden, mit welcher Argumentationskette die SED-Führung die Berichterstattung über Wolf Biermann in den Medien verknüpfte, wurde ein Kategoriensystem erstellt, das die Analyse von Zeitungsinhalten und Aktenbeständen nachvollziehbar machen soll. Die meisten Kategorien ergeben sich dabei aus den „tacit consensus"-Themen nach Lindenberger:

Formales:

  • Stellenwert des Themas: Sonderseiten, Umfang in der Zeitung, Platzierung
  • Journalistische Umsetzung: Genrevielfalt, Quellen, Bebilderung, Hervorhebungen

Inhalt (Konsensthemen):

  • Frieden, Antifaschismus, Abrüstung
  • Wohlstand: sozialistischer Aufbau, Erfüllung der Pläne, Errungenschaften des Sozialismus
  • Arbeit: Sicherheit des Arbeitsplatzes, Kollektivismus, Kollegialität
  • Individuelle Sicherheit: Soziale Wärme, Gemeinschaftsgefühl, Gesundheitswesen, Solidarität
  • Privates/Familie: materielle Werte (z.B. Wohnungsbau, Garten), immaterielle Werte (Ausbildung der Kinder, familiäre Geborgenheit, Partnerschaft, Ferien/Freizeit)
  • Frauen/Gleichberechtigung: Arbeitsplatz, Kinderbetreuung

Die Biermann-Affäre in der Presse 1965

Am 30. November beschloss das Politbüro der SED, im ND „die öffentliche Auseinandersetzung mit den Gedichten von Biermann"[37] zu eröffnen. Der erste Artikel wurde am 5. Dezember veröffentlicht[38], ein halbseitiger Kommentar von ND-Kulturredakteur Klaus Höpcke, den Chefredakteur Hermann Axen zuvor polemisch zugespitzt hatte. In diesem Kommentar wurden vor allem Biermanns Gedichte aus der „Drahtharfe" auseinander genommen – häufig in direkter Verbindung mit Konsensthemen. So wurde zum Beispiel kritisiert, dass der Liedermacher „gehässige Strophen gegen unseren antifaschistischen Schutzwall und unsere Grenzsoldaten" erklingen lasse, die „unter Einsatz ihres Lebens" auch Biermanns „Frieden und Wohlbefinden" behüten. Etwas weiter im Text lobte man das Arbeitervolk, das „mit dem Aufbau des Sozialismus seinen entscheidenden Beitrag zur Sicherung des Friedens leistet" – ganz im Gegensatz natürlich zu Biermann. Überhaupt bezogen sich die meisten Textstellen auf die Konsensthemen Frieden und Antifaschismus. Dem Liedermacher warf man vor, „daß er dem Vermächtnis seines Vaters untreu wird, der als Antifaschist im Konzentrationslager ermordet wurde". Erst danach folgten ganz allgemeine Lobeshymnen auf die Errungenschaften und Leistungen des DDR-Volks (die Biermann „in den Dreck" trete) – allerdings ohne direkt auf Begriffe wie „Wohlstand" oder „Prosperität" einzugehen, bzw. ohne die Errungenschaften namentlich zu nennen. In dem Artikel findet sich nur ein einziger Hinweis auf Biermanns Privatleben. So wurde ihm vorgehalten „auch ins Pornografische" zu gleiten: „Wer politisch pervers ist, darf es auch im Sexuellen sein". Höpcke erzählte nach der Wende, dass ihm der Beitrag jede Menge Ärger im Kollegenkreis und unter den Künstlern eingebracht habe.[39] Viele empörte Leser beschwerten sich in Briefen an das ND über die provokative Berichterstattung.

Vermutlich auch aus diesem Grund setze man wenige Tage später noch eins drauf. Erst veröffentlichte das SED-Zentralorgan einen einspaltigen Kommentar unter dem Titel „Biermanns Bundesgenossen?"[40] Darin ging das Parteiblatt in erster Linie gegen die „Springer-Presse" an, die dem Liedermacher nach Höpckes Kommentar Beistand zollte und damit „objektiv" „den westdeutschen humanistischen Kräften in den Rücken" falle. Einige Passagen aus der „Welt" wurden zitiert, die der DDR-Leser zwar nicht kennen konnte – dafür allerdings der Westdeutsche. Denn offensichtlich sammelte die SED nicht nur Argumente, um die eigenen Künstler zu beruhigen, sondern auch die „humanistischen Kräfte" im Ausland. So schickte beispielsweise der im Zweiten Weltkrieg emigrierte Schriftsteller Peter Weiss am 12. Dezember einen Brief aus Stockholm an das ND, in dem er Höpckes Kommentar scharf kritisierte: „Wenn ich für den Sozialismus eintrete, so tue ich dies, weil zu meiner Vorstellung des Sozialismus die freie Meinungsäußerung gehört." Ganz ähnlich wurde in einem Schreiben vom 20. Dezember der französischen Zeitschrift „Allemagne d'aujourd'hui" argumentiert, die ihre Besorgnis zum Ausdruck brachte, „daß der Fall Biermann nun im Ausland unter Menschen Aufsehen zu erregen beginnt, die als eine Aufgabe betrachten, die DDR als sozialistischen Staat zu bejahen."[41]

Am 9. Dezember veröffentlichte die Zeitung einen „Offenen Brief" von Wolf Biermanns Jugendfreund Peter Suhling, der vermutlich wieder auf die eigene Bevölkerung zielte.[42] Auch hier dominierten die zentralen Themen Antifaschismus, Arbeit und vor allem Kollektivismus. Suhling erinnerte Biermann: „Unsere Väter [wurden] als Kommunisten von den Faschisten ermordet" oder „beide erhielten wir die Möglichkeit, in der DDR das zu lernen, was uns als Arbeiterkindern in Westdeutschland versagt blieb." Dann folgte der an Biermann gerichtete Vorwurf: „Mit Deiner Skepsis, die man mit einer Absage an die Leistungen der Werktätigen, an ihre Ziele gleichsetzen muß, schließt Du Dich aus dem Kollektiv aus."

Die „Junge Welt" urteilte mit nahezu wortgleichen Attacken. Ohne hier noch mal im Detail auf die Vorwürfe eingehen zu wollen, waren die zwei Hauptargumente gegen den Künstler zum einen die Drohkulisse Faschismus – etwa die Respektlosigkeit vor dem Vater, der „in Hitlers Konzentrationslagern ermordet wurde", oder die „Freiheit" für die „Wiederkehr der Militaristen und Faschisten, für die IG-Farben und die Krupp und die Thyssen", und zum anderen die Nichtanerkennung der Leistungen der arbeitenden Bevölkerung, die Biermann als „Büroelephanten" und „Idioten" abstempele. Diese beiden Argumentationsstränge ziehen sich wie ein roter Faden durch einen fast ganzseitigen Kommentar, der am 11./12. Dezember in der Wochenendbeilage der „Jungen Welt" veröffentlicht wurde.

Auffällig ist, dass in allen Beiträgen – ganz gleich ob ND oder „Junge Welt" – stets auch deutlich gemacht wurde, dass Biermann die Partei der Arbeiterklasse, „die führende Kraft beim Aufbau des Sozialismus", verunglimpfe. „Mein Parteiabzeichen ist mein Käfig", so der Liedermacher in einem seiner Texte. Damit ziehe er „gegen den Sozialismus" zu Felde, „gegen unseren Staat und die führende Kraft in diesem Staate, die Partei."[43] Deshalb wurde im Januar 1966 in einer Konzeption zum Umgang mit Wolf Biermann auch die Absicht formuliert, „daß es uns nicht um die physische Vernichtung von Biermann, sondern um die konsequente Verteidigung der Partei und der sozialistischen Gesellschaft geht."[44]

Die Biermann-Affäre in der Presse 1976

Schweizer konnte zeigen, dass die zweite Biermann-Affäre im Vergleich zu 1965/66 keinen großen Stellenwert in der Presse hatte. Im „Neuen Deutschland" wurde sie gerade einmal an sieben Tagen direkt angesprochen. „Junge Welt", „Morgen" und „Neue Zeit" berichteten viel weniger und wenn, dann übernahmen sie alle Artikel entweder komplett oder gekürzt aus dem ND oder von ADN.

Dafür änderte sich die Argumentationsrichtung. Während im Zuge des 11. ZK-Plenums noch Frieden, Antifaschismus und die Errungenschaften der sozialistischen Bevölkerung (die man jedoch in keiner Weise konkretisierte) im Vordergrund standen, wurden an die Biermann-Ausweisung viel mehr und vor allem ganz konkrete „Konsens"-Argumente geknüpft. Der Kommentar im ND vom 17. November ist dafür bezeichnend: Der Liedermacher habe die „Bürger der DDR, von den Arbeitern in den Betrieben bis zur Führung der Partei des Staates" mit seinem Auftritt in Köln aufs „gröbste" beleidigt. „Wie viele werktätige Menschen haben ihren Verstand und ihren Willen ganz dafür eingesetzt, aus den schweren Anfängen heraus eine sozialistische Gesellschaft zu erbauen." Heute seien sie „froh über das Haus, das errichtet ist, und können es mit Stolz als das Ergebnis ihrer Arbeit und ihres Kampfes betrachten." In der DDR sei „das Recht auf Arbeit" garantiert, „unsere Sozialpolitik vergrößert mehr und mehr die Lebenssicherheit." Biermann „hat dazu jedenfalls nichts beigetragen." Im Gegenteil: Der Künstler „konnte hier sogar über zehn Jahre leben ohne zu arbeiten." [45] Dass er gar nicht arbeiten durfte, verschwieg die Zeitung.

Analog dazu entwickelte sich die Kritik am Westen. Durch seinen Aufritt in der BRD, wo „Unsicherheit, Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit, Inflation die Menschen quält", habe Biermann die „Treuepflicht bewußt und ständig grob verletzt." Diese Argumente wurden gleich zweimal fast wörtlich in dem Artikel wiederholt. Während in den 1960er Jahren hauptsächlich von „Faschisten", „Nazis" und „Kriegstreibern" die Rede war, setzte man 1976 folglich vorwiegend auf „Systemkritik".

Diese Argumentationsmuster finden sich auch in den Folgetagen in der Presse. Seitenweise veröffentlichte das „Neue Deutschland" (mehr als sechs ganze Seiten) und die „Junge Welt"(mehr als vier Seiten) zustimmende Statements von Künstlern und „normalen Bürgern". Um nur drei Beispiele zu nennen: Horst Drinda, Mitglied des Schauspieler-Ensembles des DDR-Fernsehens, warf Biermann vor, „den guten Ruf unseres Arbeiter-und-Bauern-Staates zu verunglimpfen, seine Bevölkerung in ihrer Meinungsfindung zu disqualifizieren, den Aufbau des Sozialismus lächerlich zu machen, unsere Arbeiter als Klauer und Kriminelle zu bezeichnen." Peter Edel (Auschwitz-Überlebender): „Ich nehme mir das Recht, der Relationen halber im Namen meiner ermordeten Kameraden und Genossen zu fragen: In welchem deutschen Staat sind Rassismus und Faschismus in ihren Machtgrundlagen endgültig beseitig worden? In welchem deutschen Staat sind die Mörder von Auschwitz freigesprochen worden, wo laufen sie in Rudeln herum?" [46] Und Otto Gotsche („Werktätiger"): „Die DDR ist aus unserem Schweiß, dem Schweiß der Arbeiter und Bauern entstanden. Liedermacher, die sich aushalten ließen, haben daran keinen Anteil."[47] Die Petition, deren Unterzeichner und sonstige Gegenstimmen fanden in der „inszenierten Öffentlichkeit" dagegen keinerlei Erwähnung.

Auch hinter den Kulissen und gegenüber dem Ausland nutze man das erprobte Argumentationsschema. Als beispielsweise Enrico Berlinguer, Parteichef der italienischen Kommunisten, in einer Sendung des italienischen Fernsehens auftrat und dort öffentlich die Richtigkeit der Ausbürgerung anzweifelte, schickte ihm SED-Chef Erich Honecker postwendend ein Schreiben, in dem er sein „Erstaunen" über den Fernsehauftritt zum Ausdruck brachte: Man könne „nicht davon sprechen, daß die DDR Biermanns Heimat war. 1953 kam er von Hamburg in die Deutsche Demokratische Republik, da ihm der Arbeiter- und Bauern-Staat die Möglichkeit gab, hier zu studieren. Diese aus humanitären Gründen getroffene Geste der DDR hat er schmählich mißbraucht."[48]

Fazit

Wie legitimierte die SED in der politisch inszenierten Öffentlichkeit der Massenmedien ihre Sanktionen gegen den Liedermacher Wolf Biermann – einmal im Jahr 1965, als sie ihn mit einem Berufs- und Auftrittsverbot belegte, das andere Mal 1976, als dem Künstler nach einem Konzert in der BRD die DDR-Staatsbürgerschaft aberkannte? Die Untersuchung der beiden größten DDR-Tageszeitungen „Neues Deutschland" und „Junge Welt" mit den Kategorien „Öffentlichkeit" und „Konsens" hat gezeigt, dass die DDR-Führung Biermanns „Vergehen" in beiden Fällen an Themen koppelte, mit denen sie bei DDR-Bürgern wenn nicht auf Verständnis, dann zumindest auf „stillschweigenden Konsens" stieß.

So kritisierte man 1965 Biermanns Texte aus der „Drahtharfe" weniger nach künstlerisch-ästhetischen Aspekten (die es auch in der sozialistischen Kunst gab), sondern ordnete diese in den Bereich Friedensbruch, Faschismus sowie Respektlosigkeit gegenüber der Parteiführung und den Leistungen der Bevölkerung ein. Teilweise überwogen diese Argumente so stark, dass der eigentliche „Tatbestand" (die Veröffentlichung einer anti-sozialistischen Textsammlung in der BRD) in den Hintergrund rückte. 1976 waren diese Argumente zwar immer noch präsent, wurden allerdings von anderen Konsensthemen überlagert. Nun wurde die „Überlegenheit des Sozialismus" an ganz konkreten Beispielen festgemacht, wie der Sicherheit des Arbeitsplatzes, der Sozialpolitik oder dem Recht auf ein Dach über dem Kopf – alles Dinge, die Biermann durch seinen Auftritt in der BRD „in besonders gemeiner Weise verunglimpft"[49] habe.

Dass man 1976 anders argumentieren konnte, liegt nahe: Zum einen hatte sich der außenpolitische Kontext in der Zwischenzeit verändert. Die Sicherung der Staatsgrenze war 1965 noch in den Köpfen präsent, das Kriegsende gerade einmal 20 Jahre her. Die DDR selbst wurde nur im Ostblock anerkannt und war im Rest der Welt weitgehend isoliert. Was blieb der SED anderes übrig, als sich auf ihre Dauerargumente Frieden und Faschismus zu berufen, die ja zugleich staatslegitimierend waren, sowie auf die Leistungen der Bevölkerung, die man allerdings nicht konkret benennen konnte. 1976 war die DDR vollwertiges Mitglied der UN, und Honecker fuhr zumindest noch Anfang der 1970er Jahre einen recht erfolgreichen Kurs mit seiner Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik. Die „Errungenschaften des Sozialismus" materialisierten sich in einer Neubauwohnung oder einem Studienplatz für den Nachwuchs. Und auch die Führungsrolle der SED wurde mittlerweile in der Bevölkerung mehrheitlich akzeptiert. Dennoch brauchte die DDR-Führung offensichtlich auch auf dem Höhepunkt ihrer Macht genau diese Argumente, um aus ihrer Sicht unbeschadet durch die Krise zu steuern. Dass die Rechnung dennoch nicht ganz aufgehen konnte (zumindest nicht in der Kunstszene) und viele Künstler nach 1976 enttäuscht der DDR den Rücken kehrten (unter anderem Manfred Krug und Jurek Becker), dürfte auch auf den regen Austausch mit westdeutschen Kollegen zurückzuführen sein (Stichwort: Reiseprivilegien), die häufig dieselben Werte teilten wie „peace, ecology, feminism, and, in many cases, democratic socialism, [that] signalled the blurring of clearly defined cultural and political differences between the two systems – the raison d'être for the existence of the GDR in the first place."[50] Die Biermann-Affären mögen ein Lenkungsmechanismus für die Kunst gewesen sein. Sie waren aber auch ein Signal an den Rest der Bevölkerung. Wer sich nicht für die Verdienste des sozialistischen Vaterlandes erkenntlich und dankbar zeigte, dem drohte der soziale Ausschluss.

Anmerkungen

  1. ADN-Meldung vom 16. November 1976.
  2. Juliana Raupp, Kunstöffentlichkeit im Systemvergleich. Selbstdarstellung und Publikum der Nationalgalerien im geteilten Berlin, Münster 2000, S. 105.
  3. Irmtraud Gutschke, Man konnte etwas für einen Autor tun, in: Michael Meyen/Anke Fiedler, Die Grenze im Kopf. Journalisten in der DDR, Berlin 2011, S. 150-158, hier S. 156.
  4. Marina Schweizer, „Wir dulden keinen Schmutz, auch nicht Schmutz in Versen“, in: Anke Fiedler/Michael Meyen (Hrsg.), Fiktionen für das Volk. DDR-Zeitungen als PR-Instrument. Fallstudien zu den Zentralorganen Neues Deutschland, Junge Welt, Neue Zeit und Der Morgen, Münster 2011, S. 271-296, hier S. 271.
  5. Vgl. Thomas Lindenberger, Tacit Minimal Consensus, The Always Precarious East German Dictatorship, in: Paul Corner (Hrsg.), Popular Opinion in Totalitarian Regimes. Fascism, Nazism, Communism, New York 2009, S. 208-222, hier S. 209.
  6. Jürgen Gerhards/Friedhelm Neidhardt, Strukturen und Funktionen moderner Öffentlichkeit. Fragestellungen und Ansätze, in: Stefan Müller-Dohm/Klaus Neumann-Braun (Hrsg.), Öffentlichkeit Kultur Massenkommunikation, Oldenburg 1991, S. 31-89, hier S. 50.
  7. Schweizer „Wir dulden keinen Schmutz“, S. 272.
  8. Gerhards/Neidhardt, Strukturen und Funktionen moderner Öffentlichkeit, 1991, S. 51.
  9. Friedhelm Neidhardt, Öffentlichkeit. Öffentliche Meinung. Soziale Bewegungen, in: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 34 (1994), S. 7-41, hier S. 10.
  10. Gerhards/Neidhardt, S. 55.
  11. Raupp, Kunstöffentlichkeit, S. 101.
  12. Schweizer, „Wir dulden keinen Schmutz“, S. 273.
  13. Vgl. exemplarisch Sylvia Klötzer, Satire und Macht. Film, Zeitung, Kabarett in der DDR, Köln 2005.
  14. Vgl. Juliana Raupp, Kunstöffentlichkeit in der DDR als Gegen-Gegenöffentlichkeit, in: Gábor Rittersporn/Malte Rolf/Jan Behrends (Hrsg.), Sphären von Öffentlichkeit in Gesellschaften sowjetischen Typs. Zwischen partei-staatlicher Selbstinszenierung und kirchlichen Gegenwelten, Frankfurt a. M. 2003, S. 217-238, hier 218.
  15. Peter Hacks, Neues von Biermann, in: Robert Allertz (Hrsg.), Sänger und Souffleur. Biermann, Havemann und die DDR, Berlin 2006, S. 121-125, hier S. 124.
  16. Schweizer, „Wir dulden keinen Schmutz“, S. 274.
  17. Günter Agde, Kahlschlag. Das 11. Plenum des ZK der SED 1965. Studien und Dokumente, Berlin 1991, S. 9.
  18. Schweizer, „Wir dulden keinen Schmutz“, S. 294.
  19. Leonore Krenzlin, Vom Jugendkommuniqué zur Dichterschelte, in: Agde, Kahlschlag, S. 148-158, hier S. 148.
  20. Vgl. Agde, Kahlschlag, S. 359-381; Dietmar Keller/Matthias/Kirchner, Biermann und kein Ende. Eine Dokumentation zur DDR-Kulturpolitik, Berlin 1991, S. 34-36 und S. 48-56.
  21. Schweizer, „Wir dulden keinen Schmutz“, S. 294.
  22. Arne Born, Kampf um Legitimation. Stabilität und Instabilität der SED-Herrschaftsstrukturen, in: Roland Berbig/u.a. (Hrsg.), In Sachen Biermann. Protokolle, Berichte und Briefe zu den Folgen einer Ausbürgerung, Berlin 1994, S. 44-65, hier S. 49.
  23. Irmtraud Gutschke, Hermann Kant. Die Sache und die Sachen, Berlin 2007, S. 104.
  24. Ann Stamp Miller, The Cultural Politics of the German Democratic Republic. The Voices of Wolf Biermann, Christa Wolf and Heiner Müller, Boca Raton 2004, S. 71.
  25. Gutschke, Hermann Kant, S. 101.
  26. Robert Grünbaum, Wolf Biermann 1976. Die Ausbürgerung und ihre Folgen, Erfurt 2006, S. 5.
  27. Born, Kampf um Legitimation, S. 44; vgl. auch Andreas W. Mytze (Hg.), Der Untergang eines Staates. Die Biermann-Ausbürgerung vor 20 Jahren, Berlin 1996, S. 6. Der Bildhauer Fritz Cremer (Nr. 13 auf der Unterzeichnerliste) zog später seine Unterschrift zurück.
  28. Jörg Judersleben, „Ich muss es vielen Leuten sagen“. Casus belli. Öffentlichkeit, in: Berbig/u.a. (Hg.), In Sachen Biermann, S. 29-43, hier S. 34.
  29. Vgl. Michael Meyen/Anke Fiedler, Totalitäre Vernichtung der politischen Öffentlichkeit? Tageszeitungen und Kommunikationsstrukturen in der DDR, in: Stefan Zahlmann (Hrsg.), Wie im Westen, nur anders. Medien in der DDR, Berlin 2010, S. 35-59.
  30. Jürgen Gerhards, Konzeptionen von Öffentlichkeit unter heutigen Medienbedingungen, in: Otfried Jarren/Friedrich Krotz (Hrsg.), Öffentlichkeit unter Vier-Kanal-Bedingungen, Baden-Baden 1998, S. 25-48, hier S. 30.
  31. Ebd., S. 32.
  32. Adelheid von Saldern, Öffentlichkeiten in Diktaturen. Zu den Herrschaftspraktiken im Deutschland des 20. Jahrhunderts, in: Günther Heydemann/Heinrich Oberreuter (Hrsg.), Diktaturen in Deutschland – Vergleichsaspekte. Strukturen, Institutionen und Verhaltensweisen, Bonn 2003, S. 442-475, hier 467.
  33. Lindenberger, Tacit Minimal Consensus, S. 209.
  34. Ebd. S. 212ff.
  35. Das 1964 gegründete Institut für Meinungsforschung in der DDR wurde bereits 1979 wieder geschlossen.
  36. Vgl. Heinz Niemann, Hinterm Zaun. Politische Kultur und Meinungsforschung in der DDR – die geheimen Berichte an das Politbüro der SED, Berlin 1995.
  37. Angelika Drescher, Aber die Träume, die haben doch Namen. Der Fall Werner Bräunig, in: Werner Bräunig, Rummelplatz, Berlin 2007, S. 625-674, hier 642.
  38. Neues Deutschland vom 5. Dezember 1965, S. 6.
  39. Klaus Höpcke/Jean Villain, Schwach am Herzen und in den Lenden, in: Allertz (Hrsg.), Sänger und Souffleur, S. 154-163.
  40. Neues Deutschland vom 8. Dezember 1965, S. 4.
  41. Keller/Kirchner, Biermann und kein Ende, S. 35-56, hier 35f. und 45f.
  42. Neues Deutschland vom 9. Dezember 1965, S. 4.
  43. Junge Welt, Wochenend-Beilage vom 11./12. Dezember 1965, S. 7.
  44. Keller/Kirchner, Biermann und kein Ende, S. 56-59, hier 59.
  45. Neues Deutschland vom 17. November 1976, S. 2.
  46. Beide Beispiele aus: Junge Welt vom 23. November 1976, S. 3.
  47. Neues Deutschland vom 20./21. November 1976, S. 3.
  48. Monika Deutz-Schroeder/Jochen Staadt, Teurer Genosse! Briefe an Erich Honecker, Berlin 1994, S. 20-22.
  49. Neues Deutschland vom 17. November 1976, S. 2.
  50. David Bathrick, The Powers of Speech. The Politics of Culture in the GDR, Lincoln 1995, S. 8.
Berichterstattung nach den Biermann-Affaeren Version 1.0 Anke Fiedler
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